Kategorie: großes kino – dialoge

Großes Kino – Dialoge XXXXIII

taz: AfD-Frontmann Alexander Gauland findet, dass die zwölf Jahre Weltkrieg „unsere Identität heute nicht mehr“ betreffen. In der selben Rede sagt er aber, dass wir das Recht hätten, „stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“. Erklären Sie uns bitte diese Dialektik.

Küppersbusch: Nee, fragen sie Martin Walser, der unter dem Jubel des Nationalfeuilletons „gegen die Dauerpräsentation unserer Schande“ sich wehrte und die „Moralkeule“ des Gedenkens an ­Auschwitz zurückwies. 1998. Irgendwann musste der Schwurbel ja mal beim rechten Empfänger landen. Für ein Land, dass 400 Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg noch feine Spuren dieser Katastrophe in sich birgt – ist es schon verdammt mutig, 70 Jahre nach einem Epochenverbrechen nach der Tagesordnung zu fuchteln. Gauland hat was von einem Kindermörder, der nach sechs Monaten Haft wegen Diskriminierung klagt.

via taz – Wie geht es uns, Herr Küpperbusch?

Großes Kino – Dialoge XXXXII

taz: Mitarbeiter von Fast-Food-Restaurants bekommen zum 1. August höhere Löhne. Das Einstiegsgehalt steigt auf 9 Euro pro Stunde. Ein Grund zur Freude?

Friedrich Küppersbusch: Erhöhe auf 10, wenn ich bei ­Starbucks nicht mehr vollgeduzt werde. Dort gibt es immerhin Becher fürs Trinkgeld. Andererseits humorig, dass der Staat bei vielen die Löhne aufstockte – aus Steuern, die die Unternehmen hinterziehen.

via Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Tell funnier jokes…

Viel zu wenig gewürdigt und großartig auch beim fünfzehnten Sehen: Stardust Memories von Woody Allen.

Filmemacher Sandy Bates will keine komischen Filme mehr drehen. Sein jüngstes Werk ist so schwermütig, dass die Produzenten drohen, dieses umzuschneiden und das Ende nachzudrehen. Sandy fährt frustriert in das Hotel „Stardust Memories“, wo man ihm eine Retrospektive widmet. Während er von Fans belauert wird, vermischen sich für Sandy Vergangenheit, Gegenwart und Fiktion, so trifft er zum Besipiel einige Außerirdische:

Sandy: Why is there so much human suffering?

Aliens: This is unanswerable.

Sandy: Is there a God?

Aliens: These are the wrong questions!

Sandy: Look, here’s my point. If nothing lasts, why am I bothering to make films or do anything for that matter?

Aliens: We enjoy your films! Particularly the early, funny ones.

Sandy: But the human condition is so discouraging!

Aliens: There are some nice moments, too.

(There is some discussion of Sandy’s love life, at which point Sandy says, „Hey, what are you, my rabbi?“ And the aliens say „Hey, look. I am a superintelligent being. By Earth standards I have an IQ of 1600. And I can’t even understand what you expected from that relationship with Dorrie!“)

Sandy: Shouldn’t I stop making movies and do something that counts, like, like helping blind people or becoming a missionary or something?

Aliens: Let me tell you: You’re not the missionary type. You’d never last. And, incidentally, you’re not Superman. You’re a comedian. You want to do mankind a real service? Tell funnier jokes!

Wunderbar auch die Szene, in der Sandy die perfekte Frau schafft:

„But you know, I’ve never been able to fall in love. I’ve never been able to find the perfect woman. There’s always something wrong. And then I met Doris. A wonderful woman. Great personality. But for some reason, I’m just not turned on sexually by her. Don’t ask me why. And then I met Rita. An animal. Nasty, mean, trouble. And I love going to bed with her. Though afterward I always wished that I was back with Doris. And then, I thought to myself, if only I could put Doris’s brain in Rita’s body. Wouldn’t that be wonderful? And I though, Why not? What the hell, I’m a surgeon. . . So, I performed the operation and everything went perfectly. I switched their personalities and I took all the badness and put it over there. And I made Rita into a warm, wonderful, charming, sexy, sweet, giving, mature woman. And then I fell in love with Doris.“

Großes Kino – Dialoge XXXX

Kommt man mit Trotz weiter?

Hader: Oh ja. Mein Trotz hat mich nie enttäuscht. Es gibt wenige Gefühle, die mich so wenig enttäuscht haben wie mein Trotz. Der hat mir immer geholfen, war immer ein treuer Freund. Und er ist immer da, wenn ich ihn brauche. Ein echter Kumpel, mein Trotz.

Hat er Sie auch manchmal auf falsche Wege geführt?

Hader: Nie! Trotz kann einen gar nicht auf falsche Wege führen, weil Trotz eine Haltung ist, die einen davor bewahrt, seinen eigenen Weg zu verlieren. Mein Trotz hat mich immer überall durchgetragen. Und auf bestimmte Personen ist er bis an ihr Lebensende gleichbleibend gerichtet.

 

Sie pflegen Feindschaften?

Hader: Ja, aber einseitig. Meine Feinde wissen davon meistens gar nichts.

Josef Hader im Interview – Demokratie in Gefahr

Großes Kino – Dialoge XXXIX

taz: Horst Seehofer bezeichnet die Grenzöffnung für Flüchtlinge als „Herrschaft des Unrechts“. Fällt dem nichts Neues ein?

Küppersbusch: Vor ein paar Wochen blockwartete SPD-Fraktionschef Oppermann mit einer Überraschung auf: „Bodenständige Konservative haben in der CDU keine politische Heimat mehr“, Merkel mache „Millionen Bürger politisch heimatlos“, weswegen viele dann „zur AfD abwanderten“. Oppermann als CDU-Grundwerte-Kommissar mutet skurril an, was seiner Analyse nichts nimmt: Horst Seehofer war selten so wenig lose Kanone wie jetzt. Er kuschelt mit Putin, weil der „Kalte-Krieg-Kurs“ gegenüber Russland vielen Sorge macht. Er plagiiert den Jargon von Pegida und Montagsirren. Er macht den schmutzigen Job des rechten Ausputzers. Seehofer hat sich lange mit Bastelkram wie „Ausländermaut“ und „Betreuungsgeld“ zum Horst gemacht. Sein Fehler ist weniger der Sprechdurchfall jetzt und viel mehr die Feigheit, abweichende Positionen mit starrem Blick auf die dunnemals Wahllokomotive Merkel runterzuschlucken. Manche CDU-Wähler mögen ihn irre finden – kein Problem, die CSU kandidiert nur in Bayern. Umgekehrt wurde früher außerhalb Bayerns oft auch CDU gewählt und CSU gemeint. Das sahnen jetzt, Tiefschlafhorst sei’ s gedankt, AfD und andere ab, die glaubwürdigere Rechtsdumpf-factory-outlets betreiben.

via taz.de – Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

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