Zwiegespräch einer Ich-AG

Lieber Mitarbeiter,

wir, Vorstand und Aufsichtsrat, bedauern zutiefst… Ihre zunächst professionelle Einstellung zum Erfolg unseres Unternehmens, ja Ihr Optimismus und feuriger Wille zur Umsetzung unserer wirtschaftlichen Ziele, haben in letzter Zeit deutlich Federn gelassen. Müssen wir Sie daran erinnern, dass Sie sich als "hochmotiviert & allseits qualifiziert" bei uns vorgestellt haben? Dass wir Sie gerade wegen dieses dynamischen Auftretens eingestellt haben? Heute weigern Sie sich – mit Verweis auf den Niedergang der ICH-Ag’s im Allgemeinen und das Lohndumping im Besonderen – schon, die einfachsten Tätigkeiten auszuüben: Spargelstechen, Beschaffung von Autoradios, handliche Päckchen mit weißem Pulver an Bahnhöfen verkaufen etc. Wie soll das aussehen, wenn mal ein Auftrag reinkommt, der Ihnen mehr abverlangt? Auch Ihre ständig steigenden Gehalts- (nach welchem Tarif, bitteschön?) oder die Forderung nach Urlaub (wo wollen Sie denn mit dem Gehalt hinfahren?) tragen nicht zum Betriebsfrieden bei. Dem Fass den Boden ausgeschlagen hat aber Ihr Streik in der letzten Woche und die Veruntreuung von Firmenkapital zu privaten (Vergnügungs-)Zwecken! Daher bedauern wir zutiefst, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Sie mit sofortiger Wirkung "freigesetzt" sind.
Glauben Sie uns, es ist für alle Beteiligten das Beste.

Mit Zustimmung des Aufsichtsrates,
Ihr Vorstand der Ich-Dumping-Ag

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