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Großes Kino – Dialoge XXXX

Kommt man mit Trotz weiter?

Hader: Oh ja. Mein Trotz hat mich nie enttäuscht. Es gibt wenige Gefühle, die mich so wenig enttäuscht haben wie mein Trotz. Der hat mir immer geholfen, war immer ein treuer Freund. Und er ist immer da, wenn ich ihn brauche. Ein echter Kumpel, mein Trotz.

Hat er Sie auch manchmal auf falsche Wege geführt?

Hader: Nie! Trotz kann einen gar nicht auf falsche Wege führen, weil Trotz eine Haltung ist, die einen davor bewahrt, seinen eigenen Weg zu verlieren. Mein Trotz hat mich immer überall durchgetragen. Und auf bestimmte Personen ist er bis an ihr Lebensende gleichbleibend gerichtet.

 

Sie pflegen Feindschaften?

Hader: Ja, aber einseitig. Meine Feinde wissen davon meistens gar nichts.

Josef Hader im Interview – Demokratie in Gefahr

Populismus als Politik

tp: Die Omnipräsenz Trumps scheint zu seiner Präsidentschaft geführt zu haben. Sie schreiben: „Es war nicht der Politiker, nicht einmal der reaktionäre, populistische, kapitalistisch-anarchistische Politiker, der die Wahl gewann, es war das Mediengespenst.“

Georg Seeßlen: Ich fürchte, dass diese Erscheinung symptomatisch für den Zustand ist, den Colin Crouch die „Postdemokratie“ genannt hat. Es ist ja nur konsequent, dass die mediale Vermischung von Politik und Entertainment wiederum Politiker-Typen hervorbringt, die sich als politische Entertainer durchsetzen. Das hat nicht nur eine erhebliche Komplexitätsreduzierung zur Folge – die berühmten, berüchtigten „einfachen Antworten“, die Populisten nun einmal geben – sondern auch die fundamentale Immunität gegen Kritik. Ein Donald Trump ist durch rationale Kritik ebenso wenig zu erreichen wie seine Anhänger, man kann ihn nicht einmal besonders gut karikieren, weil er ja stets auch schon als seine eigene Parodie auftritt. Die härteste Kritik bringt er selber mit obszöner Offenheit auf den Punkt, wenn er behauptet, er könne rausgehen und jemanden erschießen, und die Leute würden ihn trotzdem wählen. Es gibt nur eine einzige Steigerung dieser hämischen Selbstanalyse: Nicht trotzdem, sondern gerade wegen einer solchen Aussage.

Jede Medienfigur ist moralisch komplex. Sie lässt immer auch Züge verdrängter Wünsche, Projektionen, Aggressionen etc. erkennen und ähnelt darin dem, was in der politischen Psychologie „der große Andere“ genannt wird, eine teils fiktive übermächtige Figur, die nicht nur strenge Regeln setzt (immer ist die Grenze ein zentraler Begriff, immer geht es um ein Wir gegen die „Fremden“), sondern vor allem auch erlaubt.

Wie Berlusconi so ist auch Trump ein „Führer“, der seinen Anhängern verspricht, ein Verhalten (auch im Alltag) zu erlauben, ja zu fördern, das gerade noch als unmoralisch, unfair, unvernünftig galt. Kein Wunder, dass dabei die Sexualität eine so wichtige Rolle spielt, negativ als Sexismus und als Homophobie, „positiv“ als bizarre Männerphantasie einer sozialdarwinistischen Rekonstruktion.

via telepolis – Donald Trump: Populismus als Politik

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