Neueste Beiträge

Lebende Tote

Obwohl derzeit von allen Seiten hochgelobt, sei auch an dieser Stelle auf „Zombie“ verwiesen: die neue Platte der Hamburger Band „Kante“. Sie liefern den Soundtrack zur Seelenlage der thirtysomethings im Jahr 2004. Sehr gelungen ist ebenfalls der Webauftritt in der Flash-Version: Kantemusik. Als Einstieg kann ich das Video zur Hymne „Zombie“ empfehlen.

„Wir sehen unmöglich aus, wir sind der Zeit voraus. Wir sind die wunde Stelle – mitten unter Euch.“

Montagsdemos und soziale Frage

In der Berliner Zeitung nimmt Harald Jähner die Demonstrationen gegen Hartz IV zum Anlass, um mit dem Sozialphilosophen Oskar Negt über die soziale Situation in Deutschland zu sprechen.

Negt: „Wenn Menschen sich wehren, weil sie das Gefühl haben, Ihnen wird etwas genommen – ob das objektiv zutrifft oder nicht – bin ich immer zufrieden, weil das stumme Hinnehmen von Sachen, mit denen man nicht einverstanden ist, ein Schaden für die demokratische Verfassung unserer Gesellschaft und ihren Zusammenhalt bedeutet .“
„Sozialismus ist immer auch ein Fantasieprojekt gewesen, das Erarbeitete zu bewahren, zu verteidigen. Angst hemmt Fantasie. Wo die Globalisierungserpressung eine zentrale Rolle spielt, vergrößert sich die Angst lebendiger Arbeit. Wenn das Kapital mit Wegzug droht, droht es der lebendigen Arbeit mit Existenzentzug. So werden Kapital und Arbeit, tote und lebendige Arbeit, in der Tat zusammengeschweißt. Und die Opferbereitschaft der Träger lebendiger Arbeit nimmt gewaltige Ausmaße an.“

Für Krimiautoren in spe

„Alles, was man zu einem guten Krimi braucht, ist ein guter Anfang und ein Telefonbuch, damit die Namen stimmen.“ (Georges Simenon) Und der ewige Raymond Chandler ergänzt: „Im Zweifel: Lass‘ zwei Kerle mit Pistolen durch die Tür hereinkommen.“

Bzw.: Für Krimiautorinnen, Bettina!

Die etwas andere Meinung – Teil XI

„Krieg den Hütten, Friede den Palästen!“

Wenn Hartz IV lediglich ein Vermittlungsproblem ist, melde ich mich hiermit freiwillig als Regierungssprecher. Schließlich gilt es, demnächst Hartz V bis X (ab 2006 heißt das Kind dann Merz einsbisirgendwas und sieht wahrscheinlich auch genauso aus) dem unverständigen Volk zu verkaufen. Arbeitsprobe gefällig? „Geld macht ja nu‘ auch nicht glücklich … “ oder „Lebst du noch oder arbeitest du schon?“

Die Frankfurter Rundschau hat übrigens ein lesenswertes Dossier mit dem Titel „Wieviel Staat braucht der Mensch?“ zusammengestellt.

Leben als Retro

Martin Reichert macht sich in der taz Gedanken über die Retrobewegung, die in ihrer Verzeifelung bereits die 90er aufgreift. Um was zu finden?

„Während die Verklärung der Achtziger die um die Dreißigjährigen zurückführt in die wohlbehütete Teenagerzeit, bedeutet Neunziger-Retro, an die Zeit des Flüggewerdens anzuknüpfen, als man noch im Besitz aller Kräfte, Kopfhaare und Hoffnungen war.“

„Gemeinsam in der Warteschleife sitzen und auf das Neue warten, das ist Neunziger-Retro. Warten auf das Ende der Ära Kohl, warten auf das Millennium, warten, dass etwas passiert. Neunziger-Retro ist, wenn die Katze sich in den eigenen Schwanz beißt und so verharrt. Ein Stillstand, der durch Beschleunigung erfolgt ist, durch eine immer schneller aufeinander folgende Auslösung von Retro-Wellen, Cover-Versionen und Comebacks. Die erste Dekade des neuen Millenniums ist verhaftet im Fin de siècle, sie blickt zurück und verknüpft die Gegenwart mit der Vergangenheit, es ist eine Zeit der kollektiv Hängengebliebenen. Eine Zwischenzeit, die der erlösenden 20er-Jahre harrt, in denen es hoffentlich ordentlich röhrt.

Neunziger-Retro braucht gar keine eigene TV-Show. Neunziger-Retro ist live, ist Hier und Jetzt. Ist Privatsache, ist ein vor sich hin wurschteln in der eigenen Sloterdijkschen Seifenblase.“

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