Ich, Arbeitgeber und Sinnstifter

„Wer die politische Klasse anführt, gibt in der Gesellschaft längst nicht mehr den Ton an. Er versucht vielmehr, unter weitgehendem Verzicht auf politische Parolen, bei ‚Beckmann‘ aus seinem Privatleben zu erzählen oder sich zum Fußballstammtisch zu bekennen“, schreibt der Schriftsteller Richard Wagner in einer polemischen Analyse. „Wenn jetzt die Dreißig- bis Fünfzigjährigen die Mitte der Gesellschaft besetzen, ist diese Mitte trotz aller Gegenbeteuerungen unpolitisch eingerichtet. In der Wohlfühlgesellschaft, in der Welt der Ich-AGs, wird man nach seinen Auftritten beurteilt. Auftritte gelten als Statements… Der Mainstream hat alles dem Privaten zugeordnet und damit einer selbstgebastelten Leitkultur die entsprechende Autorität verliehen. Diese Leitkultur gibt sich jung und positiv. Mit ihrem positiven Denken verabschiedet sie sich sichtbar von den Achtundsechzigern. Ihr wichtigstes Diskursinstrument sind, nach der epochalen Blamage des Marxismus, die Kulturwissenschaften. Der Klassenkampfbegriff wird von den Kulturwissenschaften zeitgemäß aus den Lebensgrundlagen weggelasert.“

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