Rocken und Hosen

„Ich war schon immer ein großer Slayer-Fan. Denn obwohl Metal nicht nur ganz doll verdorben, sondern auch die Heimat des größten Männlichkeitsgeprotzes der Musikgeschichte ist (…), zogen mich an Slayer zwei Dinge magisch an. Und diese zwei Dinge heißen Hannemann und King, zwei Leadgitarristen, die so lässig über das Griffbrett rasen, wie sich andere durch die Hosentasche am Gemächt kratzen. Sie erreichen damit nicht nur eine absurde Geschwindigkeit, sondern auch eine Kompaktheit und Melodiosität, als habe sich Stockhausen mit John Coltrane und Brian Wilson gepaart.

(…)

Man kann natürlich darüber streiten, ob es überhaupt erstrebenswert ist, Gitarren-Soli zu spielen. Viele tun es und fast genauso viele sollten es lassen, denn meistens klingt es nicht besser, als wenn man eine Katze am Schwanz packt und im Kreis herumschleudert. Die Überflüssigkeit des Gitarrensolos liegt in erster Linie an denen, die sie spielen: Männer. Für sie ist ein Gitarrensolo keine musikalische Handlung, sondern ein sexueller Akt. Der hohle Holzkörper der Gitarre steht dabei für den Körper der Frau. Da sind Männer in ihrer Entwicklung nicht viel weiter als der Säugling, der in den ersten Monaten Luftballons anlächelt, weil sie dem menschlichen Kopf ähneln. (…). Nicht umsonst tragen Männer ihre Gitarren ganz tief hängend, obwohl das blöd aussieht und schlecht für die Haltung ist – offensichtlich soll hier das eine Instrument in möglichst nahen Kontakt zum anderen gebracht werden.“

aus: „Rocken und Hosen“ von Claudia Kaiser (via telepolis)

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