Fußball. Blöd.

Wenn Fußball-Trainer geistg fitter sind als (Sport-)Journalisten und obendrein noch mit Ironie sich selbst und alle anderen auf die Schippe nehmen, dann werden Pressekonferenzen zu großen Dialogveranstaltungen. Drum trauere ich der Zeit, in der der knorrige Hans Meyer die Gladbacher Fohlen trainierte, immer noch hinterher. Aber immerhin hört man ab und zu noch was von ihm. Z.B. im Tagesspiegel:

Was war Ihre erste Erfahrung mit „Bild“?

Bei meiner Vorstellung in Gladbach hat mir der Journalist von „Bild“ die Frage gestellt: Herr Meyer, wieso haben Sie hier zugesagt? Ich habe ihm die Gründe genannt und nebenbei erwähnt: Ihr wisst ja, wo ich herkomme, aus dem Osten, und Kommunisten waren immer arm. Fast alle haben gelacht. Am nächsten Tag stand in „Bild“ „Meyer: Ich bin Kommunist“. Das ist lustig, aber wenn du wie ich in Bad Hersfeld mitten unter CDU-Wählern wohnst, ist es schwierig, sich zum Kommunismus zu bekennen.

Hat sich Ihr Verhältnis zu „Bild“ verändert, als Sie zu Hertha BSC gekommen sind?

Der Berliner Redaktionsleiter hat zu mir gesagt: Herr Meyer, was in Gladbach war, vergessen wir einfach. Einen Tag später wurde ich bei der Pressekonferenz gefragt, ob es denn richtig sei, die Spieler während der Mittagspause nicht mehr nach Hause zu lassen. Ich habe dann vorgerechnet, dass gerade eine halbe Stunde bleibt, wenn die Spieler zwischen zwei Einheiten nach Hause fahren. Vielleicht, so habe ich in der mir eigenen Art gesagt, genügen die Spieler in dieser Zeit noch ihrer ehelichen Pflicht. Von den zwölf anwesenden Journalisten haben zehn gelacht. In „Bild“ hat der Redaktionsleiter dann geschrieben: „Meyer empfiehlt Sex in der Mittagspause.“ Empfiehlt! Das ist doch hirnrissig. Wie will man mit Leuten von diesem Blatt ernsthaft reden? Ich habe da meine Probleme.

Welche Folgen hat diese Berichterstattung für die Wahrnehmung von Fußball?

Sie führt dazu, dass die Leute fußballblöd werden. Das Fachliche spielt überhaupt keine Rolle. Genauso wenig wie das Normale. Sieger werden zu Titanen gemacht, Verlierer zu Versagern, die angeblich nicht kämpfen und nicht wollen. Neulich haben so genannte Fans Vaclav Sverkos von Borussia Mönchengladbach mit Bier begossen und bespuckt. Von da bis zur brutalen Gewalt ist es nur noch ein kleines Stückchen.“

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