Wahrheit des Augenblicks

»Der Ausdruck des Körpers in der Bewegung ist vielleicht das Hinreißendste im Fußballspiel, weil der Mensch in der Hingabe, der Besessenheit des Spiels zu höherem Zweck die berechnende Bewußtheit verliert und sich unmittelbar ausdrückt in einem höheren Sein.« Diesen Satz schrieb Bernhard Minetti, dessen 100. Geburtstag wir soeben gefeiert haben. An Minetti, dem großen Schauspieler, orientiert sich seine Zunft: Jeder wahre Schauspieler ist auch Fußballexperte. Im Spiel sucht er das höhere Sein, das Ende der Berechnung.

Fußball und Theater tragen in sich die Unschuldsverheißung. Das Spiel mit dem Ball und das Spiel mit der Sprache – beides sind Veranstaltungen für Narren, die an die Wahrheit des Augenblicks glauben. Im Theater gilt nur die Gegenwart (Ein Pfeil durchbohrt ihn, er fährt mit der Hand ans Herz und will sinken – Gessler im Wilhelm Tell). Im Fußball auch.

Schön gesagt, Peter Kümmel. Für mich war es das Ende der Berechnung, als am Sonntag der Schiedsrichter im Gladbacher Nordpark den unberechtigten Anschlußtreffer gelten ließ. Die Wahrheit des Augenblicks dagegen lag in der erfrischenden Offensive, dem sauberen Paßspiel, der gehörigen Portion Aggressivität und der wiedergewonnenen Spielfreude & Schnelligkeit meiner Fohlen.
Dialektisch allerdings ging es zur Sache als beim Einlauf der Mannschaften das „Trömmelche“ samt „Kölle alaaf“ im Stadion angestimmt wurde, um einen Augenblick später zu „Cologne, Cologne – die Scheiße vom Dom“ überzugehen. Auch da stonn se all parat…

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