Ambassador of Irish Whisky

Der Titel wurde ihm vom Dachverband der irischen Brennereien verliehen. Und er hält ihn in Ehren. Auf der letztem Lesung, die ich gehört habe, hat er die ihn stets begleitende Malt-Flasche durchs Publikum kreisen lassen. Das ist aber auch wirklich die einzige studienrathafte Geste an ihm. Das Kreisen-lassen, nicht der Malt. „Harry Rowohlt wohnt im Parterre eines weißen Jugendstilhauses im Hamburger Stadtteil Eppendorf. Über dem Eingang steht Salve, auf dem Klingelschild steht Rowohlt, und wenn man läutet, macht niemand auf.“ Dabei hat er doch Geburtstag. Heute. Seinen Sechzigsten. Darum hat ihn z. B. Hilmar Knute besucht: Ein Mann, ein Wort, ein Brummen. Die ZEIT bei gleichem Thema mit kürzerer Überschrift: Eins in die Fresse. Dort lamentiert der große H.R. im Interview: „Handelsblatt, FAZ und Industriekurier loben mich immer über den grünen Klee, aber die eigenen Genossen hauen mich in die Pfanne“ Auf die Gegenfrage, wer denn die Genossen seien antwortet er: „Zum Beispiel Conny Lösch von Szene Hamburg, die mich als ‚Whiskyfass auf Beinen‘ bezeichnet hat. Da hab ich sie angerufen und gesagt: ‚Wenn man anderthalb Handbreit lange schwarze Lederminis trägt und mit den dicken Beinen defekte Netzstrümpfe, dann sollte man bei Beinen anderer Leute ziemlich vorsichtig sein.‘ “ Auch schön:

ZEIT:
Sie haben sich mal heftig für Wolf Biermann eingesetzt. Jetzt klampft er für die CSU in Kreuth. Was ist da schief gelaufen?

Rowohlt:
Ich fand schon vorher, wie er sich als Kommunist gefeiert hat, gelinde übertrieben. Das sind ja zwei verschiedene Biermänner, die wir erlebt haben. Den in der DDR, der war ja wirklich gut. Und diesen Jammerheini, der Shakespeare endlich mal angemessen übersetzt und Stimmen gehört haben will, dass einzelne Sonette zu ihm gesagt hätten: Sing mich, sing mich! Das Letzte, was mir von ihm gut gefallen hat, liegt auch schon wieder Jahre zurück, das war im Spiegel das Transkript eines Stasi-Tonbandmitschnitts aus seinem Schlafzimmer, welches mit den Worten endet: ‚Beischlafgeräusche, danach Ruhe im Objekt.‘ Woran man auch merkt, dass Biermann Nichtraucher ist.

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