it’s the economy, stupid

Ich kann’s schon nicht mehr hören. Die Löhne in Deutschland sind zu hoch, wir müssen international wettbewerbsfähiger werden, flexibler, deregulierter und überhaupt: Einfach mal Schnauze halten und arbeiten.
Wenn man’s nur lange und oft genug hört, glaubt man selbst dran, möchte Hilfsfonds für notleidende DAX-Unternehmen eröffnen. Dabei sind die Reallöhne in den vergangenen zehn Jahren um 0,9 Prozent zurückgegangen. Im Durchschnitt sind die Reallöhne in der EU-15 in diesem Zeitraum um 7,4 Prozent gestiegen. Das zeigt der Europäische Tarifbericht ausgehend von Daten der Europäischen Kommission. In Frankreich betrug der Anstieg 8,4 Prozent, in den Niederlanden 11,9 Prozent, in Großbritannien sogar 25,2 Prozent. Nach Auffassung des WSI ist die moderate Lohnentwicklung eine wichtige Ursache der lahmenden Binnenkonjunktur. Das berichtete die Böckler-Stiftung. Aber: Psst Medien, kein Wort darüber verlieren, sondern weiter brav die Leier von den hohen Lohnkosten und der Unbeweglichkeit des deutschen Systems runterbeten. Und über kräftig sprudelnde Unternehmensgewinne redet man in dem Zusammenhang besser auch nicht. Könnte jemand auf die Idee kommen, dass irgendwas grundsätzlich falsch läuft.
Lesetipp: Auszüge aus dem Memorandum 2005 der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik „Sozialstaat statt Konzern-Gesellschaft“. In dem Gegengutachten zur Wirtschaftspolitik der Bundesregierung diagnostiziert die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik eine hegemoniale Reformpolitik, die darauf abzielt, eine „dauerhafte Veränderung der gesellschaftlichen Machtverhältnisse zum gesellschaftlichen Normalzustand zu machen und damit auch die demokratische Qualität der Gesellschaft zu untergraben“. Dagegen entwirft das Gutachten die „Perspektive eines alternativen Entwicklungstyps“. Zur kompletten Veröffentlichung.