2005: Was bleibt?

Eine verstörte Gesellschaft. Das meint zumindest Wilhelm Heitmeyer: "Was fällt ins Auge? Betrachtet man die Debatten und Ereignisse des Jahres 2005, wird deutlich, dass rasante ökonomische Entwicklungen und soziale Integration auseinander zu driften scheinen. Insbesondere drei Problemquellen tragen dazu bei und erzeugen eine neue Qualität. Es ist anzunehmen, dass sich diese in den Gefühlen der Bevölkerung niederschlägt. Erstens: Kontrollverluste nationalstaatlicher Politik im Zuge der Globalisierung und die Wahrnehmung, dass die soziale Unsicherheit größer wird. Zweitens: Ungerichtete gesellschaftliche Prozesse, die das Gefühl der Orientierungslosigkeit hervorbringen. Drittens: Die Unbeeinflussbarkeit von ökonomischen Entwicklungen, die das Gefühl erzeugen, als politischer Bürger nur noch wenig zur eigenen sozialen Sicherung und zur Entwicklungsrichtung der Gesellschaft beitragen zu können."

Bleibt hinzuzufügen, dass Kontrollverluste nationalstaatlicher Poltik und wachsende soziale Unsicherheit das Ergebnis von politischem Handeln und nicht wie eine Naturgewalt über uns hereingebrochen sind. Gleiches gilt für die ökonomischen Entwicklungen. Ansonsten kann man dem Sozialforscher aus Bielefeld nur zustimmen:

"Was wäre ein Gegenmittel? Gefährlichen Verstörungen in den berichteten Ausmaßen ist nur mit überzeugenden Visionen entgegenzuwirken, die der gesellschaftlichen Entwicklung eine Richtung geben und schließlich die Beeinflussbarkeit von ökonomischen Abläufen erhöhen. Erst dann kehrt das beruhigende Gefühl zurück, die Kontrollverluste beherrschen zu können. Ob die Große Koalition dies versucht? Bisher dominiert eher der Eindruck: Auch diese Regierung formuliert »Reformen« ohne ein Programm, wie sich ökonomische Entwicklung und soziale Integration wieder zusammenführen ließen."