Dichter dran XV

„Wie der Brenner selber noch in die Schule gegangen ist, Puntigamer Gymnasium, hat er einmal einen Blödsinn gemacht. Die zertrümmerte Fensterscheibe hätte man dem Halbstarken wahrscheinlich gar nicht so übel genommen, weil Allgemeinbildung: Das gehört bei einem richtigen Bubenleben dazu. Aber daß er die Scheibe zertrümmert hat, indem er die Nachbarkatze wie den reinsten Fußball vom Gehsteig aus durchs geschlossene Fenster ins Wohnzimmer geschossen hat, das hat schon ein bißchen für Gerede in Puntigam gesorgt. (…)

Der Nachbarkatze damals in Puntigam hat das gar nichts ausgemacht. Weil Katze natürlich neun Leben, der hat das sogar getaugt. Die Angorahaare natürlich sind nur so geflogen, da hätte sich die Nachbarin ohne weiteres einen Pullover stricken können, aber sonst kein Hinken und kein gar nichts. Und pädagogischer Effekt großartig, weil die Katze ist tagelang nicht mehr auf dem Gehsteig herumgesessen und hat blöd in die Gegend geschaut. Das war es ja, was den dreizehnjährigen Burschen an ihr so aufgeregt hat. Weil wenn du heute dreizehn bist und den ganzen Tag nur am Gehsteig herumlungerst und blöd in die Gegend schaust, siehst du es nicht gern, daß dich eine Katze nachäfft.”

Wolf Haas: Silentium!