Einstweilig verfügt: Problembär

Das aktuelle Titelbild der Titanic zeigt den lachenden SPD-Chef Kurt Beck, unterlegt mit der Schlagzeile »Problembär außer Rand und Band. Knallt die Bestie ab!« Beck – not amused – hat umgehend eine einstweilige Verfügung beim Landgericht Hamburg erwirkt, und damit den weiteren Vertrieb des Heftes untersagt. Jaja, alles bekannt. Aber mir geht’s um das nette Interview in der Jungen Welt:

Also alles nur heiße Luft?

Das Heft liegt weiter lustig am Kiosk und wird, wie unsere Gewährskioske mailen, gerne gekauft. Wir haben ja weder behauptet noch behaupten wollen, daß Beck eine Bestie ist, die abgeknallt gehört. Das tut man nämlich nicht. Das hat unsere Anwältin auch der Gegenseite klargemacht. Offenbar mit Erfolg; zur Zeit tun Becks Anwälte gar nix.


Und wann würden die angedrohten 250 000 Euro Ordnungsstrafe fällig?

Vermutlich für den Fall, daß wir als Redaktion und Verlag mit einem riesigen Plakat mit Beck drauf durch die Straßen ziehen und skandieren: »Knallt die Bestie ab!« Das werden wir nicht tun und würden es im übrigen auch dann nicht tun, wenn Beck es nicht verboten hätte.

Beck ist also nur einem Mißverständnis aufgesessen?

Wir wollten einzig und allein auf das ungeheure, brutale, grausame Vorgehen der bayerischen Killer und Bärenverachter hinweisen, die Bruno zum Problembären erklärten und ihn wie eine Bestie haben abknallen lassen, nur weil er ein paar Schafe verspeist hat. Süß war der doch trotzdem. Diese Sauerei mußte skandalisiert werden: mit einem absolut schockierenden Titel, einem, der alle Bärenhalter zum Heulen bringt. Und als wir dann bei dpa das Suchwort »lustiger Brummbär« eingaben, erschien zuerst ein Eintrag zu Beck, und so landete er auf dem Titelblatt.

Mit dem SPD-Chef ist also völlig unbegründet der Bär durchgegangen?

Ganz und gar. Im Grunde müßte er uns doch dankbar sein, daß wir uns für den Artenschutz einer offenbar bedrohten Braunbärversion starkmachen und Beck zu diesem Zweck auch noch als Alphakoloß ins Feld zu schicken. Wir haben uns allerdings vertan. Ein Leser, der Biologe ist, hat uns überzeugt, daß Beck wegen seiner Kinn- und Backenpartien kein Bär ist, sondern arschklar ein Hamster.


Und Hamster würde kein Mensch abknallen, weil die so putzig aussehen.

Eben, und Problemhamster gibt es praktisch gar nicht. Eigentlich ist der ganze Titel Mist.

Eigentlich müßten Sie sich doch sogar bei ihm bedanken – für die tolle Publicity.

Die SPD muß sich bei uns bedanken. Mit einem Schlag hat sie der ganzen Welt gezeigt, daß sie eine eher halbintelligente und vollständig humorlose Bizarrgruppierung ist; eigene Flyer wären da viel teurer gewesen. Andererseits weiß ich nicht, wie viele Bären- oder Hamsterhalter jetzt in die SPD eintreten. Oder aus ihr raus? Keine Ahnung …