Eine Allianz für’s Leben?

„In einer Zeit schnellen Wandels hat sich die Allianz Group zum Ziel gesetzt, ihren Beschäftigten und ihrem Umfeld ein zuverlässiger und fairer Partner zu sein. Sie setzt auf die Beteiligung ihrer Mitarbeiter am Unternehmenserfolg und bietet Möglichkeiten zur individuellen Lebensplanung.“ Das sagt man jetzt so bei Unternehmensens. Weil „code of conduct“ & „business-ethics“ sind das nächste große Ding. Frisch importiert aus den USA erobert die Unternehmens-Ethik den europäischen Markt. Und der Mitarbeiter steht im Mittelpunkt. Ah, ja! Und weil der Mitarbeiter im Mittelpunkt steht, gibt die Allianz mehr als 5500 von ihnen die Möglichkeit, ihre individuelle Lebensplanung ein wenig umzustrukturieren. Denn „Stillstand stellt keine Alternative dar“, wie Allianzchef Michael Diekmann mit Blick auf die Quartalsergebnisse sagt. Die fielen nämlich so gut aus, dass die davon geschockte Vorstandsetage die Prognose für das gesamte Jahr auf 6 Milliarden Euro Rekordgewinn hoch- und Mitarbeiterzahl runterschrauben will. Weil bei Rekordgewinnen Leute rauschmeissen, das macht man seit Josef „Victory“ Ackermann jetzt auch so bei Unternehmenses.

Aber hey, so geht work-life-balance: Schuften bis der Laden brummt und dann ins Leben entlassen werden. Das ist dann die Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmenserfolg. Irgendwie. Und lebenslanges Lernen ist das sowieso. Denn jetzt haben ein paar Tausend Allianzangestellte samt Familien gelernt, dass Leistung sich nicht lohnen muss. Ist quasi die Moral von der Geschicht‘. Die kommt, da muss im Brechtjahr 2006 auch an dieser Stelle nochmal drauf hingewiesen werden, bekanntlich erst nach dem Fressen. Bzw. nach dem Gefressenwerden. Die Allianz aber hat sich gedacht: „Ist ja schon 50 Jahre tot. Der Brecht. Wir machen das anders!“ Und da kommt dann das Fressen und dann das Nochmehr-Fressen. Auch eine Form von Moral. Und die hat man ja jetzt so bei Unternehmensens.