Gaunerstreich vor hundert Jahren

Berliner Morgenpost am 17.Oktober 1906: „Eine Räubergeschichte, so abenteuerlich-romantisch, wie wir sie sonst aus romanhaften Erzählungen kennen, wie sie uns bisher nur in dem russischen Revolutions-Chaos oder in einem italienischen Briganten-Idyll möglich erschienen hätte, hat gestern unseren Nachbarort Köpenick Stunden hindurch mit lähmendem Entsetzen erfüllt. Die blütenreichste Fantasie muss beschämt hinter den Szenen zurückbleiben, die sich in den gestrigen Nachmittagsstunden vor den Toren Berlins, am helllichten Tag und vor den Augen von Hunderten von Menschen abspielten. Dort ist es einem, man darf sagen – genialen – Schwindler gelungen, in Offiziersuniform die Gendarmerie, den Bürgermeister den Rendanten und eine Abteilung vo 100 Soldaten in seinen Dienst zu stellen, nur damit er aus der Stadthauptkasse in aller Ruhe 4000 Mark erbeuten konnte, um ungehindert damit zu verschwinden… Der Hauptmann ließ sich auf dem Bahnhofsrestaurant ein Glas Helles kredenzen, das er in einem Zuge leerte. Um 5 Uhr 31 Minuten ging der Zug und unser Herr Hauptmann dampfte mit ihm.“ Die ganze Koepenickiade hier.

In den aktuellen ZEITläuften erinnert Marc Jeck an Wilhelm Voigt, dem Hauptmann von Köpenick: „Sein Gaunerstreich hat in ein paar Stunden ein ganzes System entlarvt und seiner barbarischen Dummheit bloßgestellt.“