Eine Provokation für uns als seriöses Satiremagazin

Ihre Lieblingsgegner sind die Bild-Zeitung und das Magazin Focus. Was stört Sie an diesen Blättern?

Martin Sonneborn: „Diese beiden Blätter machen uns nach wie vor Konkurrenz, das stört mich natürlich. Wenn die Bild-Zeitung vorne zeigt, wie der Chefredakteur Kai Diekmann dem Papst eine ‚Volksbibel‘ übergibt, während ein paar Seiten weiter eine ’schluckgeile Oma‘ ihre Dienste inseriert, ist das schwer zu übertreffen: Wenn wir das offizielle Bild nehmen und als ‚Foto des Monats‘ so uminterpretieren, dass Diekmann dem erfreuten Papst stolz eine schweinslederne Sammlung der schärfsten Fickanzeigen übergibt, bleibt das hinter der Wirklichkeit zurück.

Beim Focus hat mich von Anfang an gestört, dass man sich als seriöse Zeitschrift verkauft. Wir haben, verkleidet als Schülergruppe, dort einen Redaktionsbesuch gemacht, bei dem uns der Chef vom Dienst darüber aufgeklärt hat, wie der Focus produziert wird. Die Anzeigenabteilung rufe an und sage: ‚Wir haben 150 Seiten Anzeigen, da brauchen wir 150 Seiten Text. Was machen wir denn dann noch rein?‘ Diese sich seriös gebende Schaumschlägerei ist eine Provokation für uns als seriöses Satiremagazin. Der Focus ist echte Konkurrenz für uns.“ Martin Sonneborn im Interview mit telepolis.