Karikaturenstreit vor Gericht

Am Mittwoch hat in Paris der Prozess gegen das französische Satiremagazin Charlie Hebdo http://unecharlie.canalblog.com begonnen. Das Magazin wurde im Februar 2006 von der Vereinigung der islamischen Organisationen Frankreichs (UOIF) sowie der Großen Moschee von Paris wegen der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen im Februar 2006 verklagt. Die Religionsvertreter fühlen sich durch Charlie Hebdo wegen Beleidigung einer Gruppe aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit verunglimpft. Das Magazin wies diesen Vorwurf zurück und spricht von einem „mittelalterlichen Prozess“. „Reporter ohne Grenzen“ stellte sich in einer Mitteilung „bedingungslos“ hinter das Magazin.
Philippe Val, Chef von Charlie Hebdo, sagte, dass mit den Karikaturen keinesfalls ein Angriff auf die Muslime beabsichtigt gewesen wäre, sondern auf Terroristen. „Wenn wir nicht mehr das Recht haben eine Satire auf die Ideologie der Terroristen zu machen, was bleibt dann dem einfachen Bürger, um sich zu verteidigen, wenn er nicht mal mehr das Lachen hat, um seine Ängste zu besiegen?“, so Val. Die UOIF bezeichnete in einer Pressemitteilung die Haltung des angeklagten Magazins indes als „medio-lukrativen Radikalismus“.

Charlie Hebdo hatte im Februar 2006 die Mohammed-Karikaturen der dänischen Tageszeitung Jyllands Posten nachgedruckt, nachdem diese bereits im Oktober 2005 eine Welle von Protesten und Ausschreitungen im Nahen Osten ausgelöst hatten. Charlie Hebdo hat als einzige französische Publikation die dänischen Karikaturen veröffentlicht und eigene Karikaturen hinzugefügt. Die Auflage, die normalerweise bei 140.000 liegt, erreichte damals eine Rekordhöhe von 400.000 Stück. Die Anklage der muslimischen Organisationen richtet sich konkret gegen drei dieser Karikaturen.

Mehr: NZZ Allahs Prophet im französischen Wahlkampf

ARD Tagesschau Paris: Urteil im Karikaturenstreit erwartet

SWR.de Nachrichten Karikaturenstreit in Paris vor Gericht

Spiegel Karikaturen-Prozess in Frankreich: Intellektuelle warnen vor Selbstzensur

Deutsche Welle Weiterer Prozess um Mohammed-Karikaturen