Wochenendkulturbeilage: Multikulturalismus-Debatte

Für die ehemalge holländische Parlamentsabgeordnete und Filmautorin Ayaan Hirsi Ali ist „der Islam mit der liberalen Gesellschaft, wie sie sich im Laufe der Aufklärung herausgebildet hat, nicht vereinbar“. Ihre Kritik weckt sowohl den Zorn und Widerspruch ihrer ehemaligen Glaubensbrüder, als auch den Widerspruch europäischer linksliberaler Intellektueller. Ian Buruma und Timothy Garton Ash warfen ihr vor, eine „Fundamentalistin der Aufklärung“ zu sein, die mit ihren Einlassungen Öl ins Feuer gieße, sie betreibe eine „Politik der Wut“. Für Hirsi Ali sind die Errungenschaften der Aufklärung, die Trennung von Staat und Religion, die politischen und individuellen Rechte und Freiheiten, die Selbstbestimmung des Individuums, die Vernunft und die Gleichberechtigung der Geschlechter allerdings und zu Recht von fundamentaler Bedeutung.

Die Kulturplattform Perlentaucher hat seit Februar 2007 eine interessante Debatte darüber angestoßen. Der französische Intellektuelle Pascal Bruckner hält den Kritikern der Dissidentin entgegen, ihr gefeierter Multikulturalismus sei ein „Rassismus des Antirassismus“. Der von Buruma und Garton Ash verteidigte Kulturrelativismus ist auch für Necla Kelek nicht hinnehmbar. Religionen seien nicht gleich, denn der Islam versuche, „die vertikale Trennung von Männern und Frauen in den demokratischen Gesellschaften zu etablieren“. Der holländische Jurist Paul Cliteur sieht in der Glorifizierung des Fremden und dem Verzicht auf den Universalitätsanspruch der Moderne eine riskante Bedrohung westlicher Lebensformen.

Eine immer wieder notwendige & spannende Debatte, die bei signandsight.com und perlentaucher.de dokumentiert ist.