Satire-Archiv online

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) investiert in den kommenden Jahren zwischen 10 und 20 Millionen Euro pro Jahr, um die bereits bestehenden Digitalisierungsprojekte auszubauen. Die digitalen Bestände sollen in Zukunft in dem Zentralen Verzeichnis digitalisierter Drucke zu finden sein.

Wer dort ein wenig stöbert, findet nicht nur wertvolle Handschriften und Bücher, sondern auch zahlreiche historische Zeitungen und Zeitschriften. Darunter den Simplicissimus, den Kladderadatsch, und, last but not least, die Satirebeilage des Berliner Tageblatts, den Ulk. Absolut empfehlenswert, ein Surftrip in die Historie der deutschen Satire.

  • Der Simplicissimus ist die bis heute prominenteste deutsche politisch-satirische Wochenschrift. Ihr Name steht für die antiklerikale, antifeudale und fundamentaldemokratische Auseinandersetzung mit der Innen- und Außenpolitik des Kaiserreichs und der Weimarer Republik ebenso wie für pointierte Mentalitätskritik am deutschen Normalbürger, dem „Michel“.
  • Der Kladderadatsch ist das einzige Berliner Witzblatt, das nicht nur die Revolutionszeit 1848/1849 überlebte, sondern – nachdem es ins liberal-konservative Lager übergegangen war – länger als neun Jahrzehnte bestand. Die Redakteure verstanden es, der Sprache ihrer witzig-kritischen Beiträge, ihrer Glossen und Parodien ein so unverwechselbares Lokalkolorit zu geben, daß die Zeitschrift in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schnell zum Liebling der Berliner wurde.
  • Die Satire-Zeitschrift Ulk, ein norddeutsches Gegenstück zu den süddeutschen Fliegenden Blättern, erschien von 1872 bis 1933 als Gratisbeilage des Berliner Tageblatts bei dem viel produzierenden Verleger Rudolf Mosse. Vom September 1910 bis November 1930 wurde der Ulk, der auch separat bezogen werden konnte, zusätzlich der Berliner Volks-Zeitung beigelegt. In den Jahren 1918 bis 1920 arbeitete Kurt Tucholsky als Chefredakteur des Ulk. Dadurch bot sich ihm ein großes Publikum, da die beiden Zeitungen, in denen der Ulk als Beilage erschien, eine Viertelmillion starke Leserschaft hatten. Tucholsky wollte mit den Kriegswitzen und dem Durchhaltehumor Schluß machen, und den Ruf des jüdisch-demokratischen Ulk wiederherstellen. Nach Tucholskys Ausscheiden kehrte der Ulk, unter Joseph Wiener-Braunsberg, wieder zu seiner früheren Linie zurück.

via sudelblog