Welt-Autor vs. BILD

Alan Posener, Kommentarchef der „Welt am Sonntag“, hat sich über BILD-Chef Kai Dieckmann ausgelassen. Das mochte Springer scheinbar nicht und hat den Beitrag von Posener gelöscht. Peter Turi hat dankenswerterweise eine Sicherheitskopie gemacht. Die Springer-Pressestelle kommentiert Poseners Beitrag mit: „Dies ist die Entgleisung eines einzelnen Mitarbeiters.“ Die ganze Story ist nachzulesen im bildblog.

Nun ist es nicht mein Job, die Pressearbeit bei Springer zu beurteilen, aber: Liebe Leute, der Schaden ist durch Löschung und Pressemitteilung deutlich größer geworden. Hättet ihr es stehenlassen, hätte man denken können: „Wow, die lassen bei Springer den Autoren alle notwendigen Freiheiten“. Aber so zitiert jeder Blogger doch lieber den ursprünglichen Beitrag:

„Ah ja, klar. (…) Die 68er haben K.D, gezwungen, als Chefredakteur der Bildzeitung nach Auffassung des Berliner Landgerichts „bewusst seinen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung Anderer“ zu ziehen. Die 68er zwingen ihn noch heute, täglich auf der Seite 1 eine Wichsvorlage abzudrucken, und überhaupt auf fast allen Seiten die niedrigsten Instinkte der Bild-Leser zu bedienen, gleichzeitig aber scheinheilig auf der Papst-Welle mitzuschwimmen. (…) Man kann nicht die Bildzeitung machen und gleichzeitig in die Pose des alttestamentarischen Propheten schlüpfen, der die Sünden von Sodom und Gomorrha geißelt. So viel Selbstironie muss doch sein, dass man die Lächerlichkeit eines solchen Unterfangens begreift. (…)

Wenn man ein bisschen zynisch ist, auf miniberöckte Vorzimmermiezen großen, auf Ernsthaftigkeit eher weniger Wert legt, kann man [bei „Bild“] Karriere machen, und das ist völlig OK so. Einer muss es ja machen, so wie einer den Dieter Bohlen machen muss, und einer den Papst. Aber wenn Dieter Bohlen den Papst geben würde, müsste man auch lachen, oder?“

Hintergrund ist die Ankündigung eines neuen Buches von Dieckmann, in dem er unter anderem schreibt: „Das Erbe der 68er hat uns in eine Sackgasse geführt. Es wird Zeit, endlich umzukehren.“

Am Ende könnte aber dummerweise sogar ein Plus für Dieckmann rauskommen, dessen Buch eben schon jetzt die Aufregungsmachine anschmeißt. Das wird so nicht gewollt sein, aber letzlich dem Verkauf bestimmt keinen Schaden tun. Den Schaden hat alleine der Verlag, der sich vor den BILD-Chef geworfen hat.

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Bild: martin hagen