Warum Gewalt?

Warum fliegen bei solchen Gipfeln immer Steine und Flaschen?

Da vollzieht sich ein rituelles Duell zwischen dem schwarzen Mob und der Staatsmacht. Die Angreifer tun so, als sei Weltrevolution. Aber es ist nur ein rituelles Spiel. Wir beobachten Tumult, Enthemmung und Vergemeinschaftung jenseits der Normen des Alltags.

Mit der Globalisierung, der Armut oder dem Schutz der Umwelt hat das alles nicht zu tun?

Nein, das ist nicht das Thema, auch wenn die tätliche Propaganda der Gruppen zeigen soll, dass sie sich für die hehren Ziele sogar mit dem eigenen Körper einsetzen. Aber die Gewaltaktion ist purer Selbstzweck. Während der Aktion verflüchtigen sich alle Ziele sofort.

Friedliche Demonstranten ärgern sich, dass ihre Anliegen kriminalisiert werden. Es geht um Rituale, nicht um Inhalte, sagt der Soziologe Wolfgang Sofsky im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.