Großes Kino – Dialoge XVII

“Werbung oder Werbetreibende dürfen das übrige Programm inhaltlich und redaktionell nicht beeinflussen”, heißt es Rundfunkstaatsvertrag. Und weiter: “Werbung und Teleshopping müssen als solche klar erkennbar sein.” Doch davon hat man beim Berliner Sender JAM FM offenbar noch nichts gehört. Der zuständige Programmkoordinator hatte daher bei Frontal21 einen bemerkenswerten Auftritt (ab 5:25):

Programmdirektor: Wenn dann zehn-, fünfzehntausend Euro fließen, warum sollten wir uns dagegen verwirren, verschwören…
Reporter: …weil das gegen journalistisches Ethos verstößt, gegen das Gebot von Trennung von Werbung und Journalismus, und Redaktion.
Programmdirektor: Ich finde aber, wenn es sowieso eine Relevanz hat – wir würden es ja sowieso tun. Und wir haben auch Leute zu bezahlen…
Reporter: Es ist illegal.
Programmdirektor: Es ist illegal, diese Dinge zu tun?
Reporter: Es verstößt gegen den Rundfunksstaatsvertrag.
Programmdirektor: Innerhalb eines privaten Rundfunksenders?
Reporter: Ist Ihnen das nicht bewusst?
Programmdirektor: Ne, tatsächlich nicht. Das ist tatsächlich nicht bewusst.

via Hauptstadtblog

Die im Beitrag erwähnte Studie „Public Relations und werbliche Erscheinungsformen im Radio“ von Helmut Volpers kann hier bestellt werden.

Dass die Ausstrahlung von PR-Beiträgen grundsätzlich mit Schleichwerbung gleichzusetzen und demnach illegal sei, ist allerdings so nicht richtig. Und wenn Frontal 21 sich selbst regelmäßig der Agenturen bedient, die fertig produzierte PR-Beiträge bei Radiosendern platzieren, verstehen die ja was vom Thema. Ähäm!

update: Der Name des JAM-FM-Programmdirektors wurde an dieser Stelle entfernt, da bei den vielen Suchanfragen nach ebendiesem Namen die Wirkung für die Einzelperson fatal ist. Es geht aber weniger darum jemanden an den Pranger zu stellen als um den Dialog bzw. das Problem selbst.