Dem Volk auf’s Maul schauen…

… ist so ’ne Sache. Kann auch mal nach hinten losgehen. Wie ein großes Boulevard-Blatt beweist. Das hat nämlich genau die Leser, die es verdient. Was die Briefe ebendieser Leser immer wieder aufs Neue unterstreichen. „Zum umstrittenen Nazi-Vergleich der TV-Moderatorin Eva Herman erreichten die BILD-Redaktion Tausende Leserbriefe“. Das Schlimme: Die drucken das dann auch ab.

Ingrid B. schreibt zum Beispiel:

„Recht hat sie, die Frau Herman! Wie war es denn damals im Dritten Reich? Die Mütter als Garantie für heile Familien, genau so wie auch der Bauernstand. Und heute? Scheidungskinder, Schulversager und Gammelfleisch. Damals unmöglich!“

Elfriede H. meint:

„Unsere Mütter haben damals in erster Linie ihre Kinder erzogen — und das gut! Wir kamen aus der Schule, das Mittagessen war fertig. (…) Wir hatten Respekt vor unseren Eltern und vor alten Leuten. Die Verbrecherrate war nicht so hoch wie jetzt.“

Und Georg M. erinnert sich:

„Ich lebte zur damaligen Zeit in einer Großfamilie: (…). Mein Vater war arbeitslos. Er hat durch den Bau der Autobahn wieder Arbeit bekommen.“

Wieder was gelernt: In einer Diktatur gibt es eine niedrige Kriminalitätsrate, heile Familien, Mittagsessen und die sakrosankte Autobahn. Aaaaaahhhhhhh! Oder, wie der alte Böll sagte: „Das ‚gesunde‘ Volksempfinden hat sich in der Geschichte meistens als krank erwiesen.“