Mehr Taugenichtse

Dass der Mensch sich im Beruf vollende und daher Arbeit adele ist eine Idee, die spätestens da ein Problem wird, wo die Arbeit selbst den Status eines knappen Gutes erlangt. Aber schon vorher, wenn Beruf und Arbeit zu einem starren Schematismus gerinnen und der Mensch zur Funktionion erstarrt, wird die bürgerliche Lebensweise problematisch. In Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ wendet sich der Held gegen das Diktat des Geldes, gegen die ökonomische Vernunft und begibt sich auf eine Reise, deren einziges Ziel es ist, heimzukommen. Eberhard Straub erinnert im Deutschlandradio an das größte Werk des Dichters: Audio (.mp3).

„Das Rad an meines Vaters Mühle grauste und rauschte schon wieder recht lustig, der Schnee tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitscherten und tummelten sich dazwischen; ich saß auf der Türschwelle und wischte mir den Schlaf aus den Augen; mir war so recht wohl in dem warmen Sonnenscheine. Da trat der Vater aus dem Haus; er hatte schon seit Tagesanbruch in der Mühle rumort und die Schlafmütze schief auf dem Kopfe, der sagte zu mir: Du Taugenichts! Da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde und lässt mich alle Arbeit allein tun. Ich kann dich hier nicht länger füttern. Der Frühling ist vor der Tür, geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb dir selber dein Brot. – Nun, sagte ich, wenn ich ein Taugenichts bin, so ists gut, so will ich in die Welt gehen und mein Glück machen.“

Joseph Karl Benedikt von Eichendorff starb heute vor 150 Jahren.