Worte des Jahres 2007

„Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes. Allerdings konnte er sich den Zwängen des Regimes ebenso wenig entziehen wie Millionen andere.“

Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger in einer Trauerrede für den ehemaligen Regierungschef Hans Filbinger, der am 1. April gestorben war. Nach der ersten Kritik sagt Oettinger: „Ich glaube, dass er mit Sicherheit nicht Gegner im Sinne des Widerstandskämpfers war, er war in innerer Distanz zum Regime. Fünf Tage nach der Rede hieß es dann: „Ich halte meine Formulierung nicht aufrecht.“

„Ihre Familienpolitik ist vorrangig darauf ausgerichtet, junge Frauen als Arbeitskraftreserve für die Industrie zu rekrutieren. Das degradiert die Frau zur Gebärmaschine.“

Der Augsburger Bischof Walter Mixa über Familienfinisterin Ursula van der Leyen

“In der Bibel ist die Krippe ein Provisorium. Wir haben eine ständige Einrichtung daraus gemacht, in die Kinder kurz nach dem Wochenbett oder im ersten Lebensjahr ausgesetzt werden”.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner

„Eine alleinstehende Frau hat sich als Gesellschaft einen Kater zugelegt, um nicht mehr so einsam zu sein. Doch der Kater zieht jeden Abend um die Häuser. Eine Freundin rät der Frau, den Kater sterilisieren zu lassen. Einige Wochen spüter treffen sich die Frauen wieder. Die Freundin fragt, ob der Katter immer noch um die Häuser zieht. Darauf die Frau: ‚Das nicht, aber er berät jetzt.‘

Kurt Beck auf einer SPD-Programmkonferenz über katholische Bischöfe, die sich an der Debatte um den Ausbau der Kinderbetreuung beteiligen.

“Wie an den Karnevalstagen üblich, gibt es oftmals entweder Streit zwischen zwei Männern, die sich um eine Frau streiten, oder zwischen zwei Frauen, die sich um einen Mann streiten.”

Mitteilung der Polizei des Rhein-Erft-Kreises.

“In erster Linie wird es wieder Liebeskummer, Angst vor Aschermittwoch oder karnevals-stressbedingter Weltschmerz sein, der die Notfallseelsorger auf den Plan rufen wird.”

Auszug aus einer Mitteilung von Kölner Hilfsorganisationen zum Rosenmontagsumzug.
“Die New Yorker erfreuen sich also nach wie vor bester Gesundheit, aber immer noch schlechtester Laune.”

Markus Bellmann über Type O Negative und ihr neues Album

“Kein Erhabenheitsschwindel mehr im Angesicht des absoluten Nichts kapitalistischer Kultur.”

Diedrich Diederichsen, Den Einsatz erhöhen

Was “die Dauermasterplanreformitis, das fortlaufende Abwerfen von Strukturänderungsvorschlägen an den Schulen bewirkt, ist bekannt: erst Endlosdiskussionen und Konflikte, dann den Befund, dass sich nichts wesentlich ändert, schließlich Apathie und professionellen Zynismus gegenüber der nächsten Reform.”

Jürgen Kaube, Der Rat des Bockes

“Xing wurde vom Neckermann-Versand gegründet, der auf der Site seine Anzug- und Kostümkollektion der letzten 23 Jahre präsentiert.”

“Wikipedia ist das größte Star-Wars-Diskussionsforum der Welt.”

“Second Life ist ein virtueller Swingerclub für Journalisten”

Spreeblick mit der re:publica-Printausgabe “Print ist tot

“suche schäubles fingerabdruck, biete club-mate”

SMS-Zwischenruf auf der re:publica

“Der Staat baut sein Sicherheitssystem nunmehr vor allem jenseits des Strafrechts aus, weil dort dessen strenge Prinzipien zum Schutz des womöglich unschuldigen Individuums nicht gelten und weil dort Rechtsschutz und Kontrolle im Übrigen schon deshalb nicht funktionieren, weil der Bürger von den Zugriffen meist gar nichts erfährt.”

Heribert Prantl in der SZ

“Paris Hilton ist ohne Unterwäsche gefahren, sie fährt allem Anschein nach ohne Hirn – warum sollte sie ausgerechnet beim Führerschein eine Ausnahme machen?”

Johanna Adorján

“Der hoheitliche Eingriff in ein Grundrecht bedarf der Rechtfertigung, nicht aber benötigt die Ausübung des Grundrechts eine Rechtfertigung. […]

Das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit schützt das Interesse des Veranstalters, auf einen Beachtungserfolg nach seinen Vorstellungen zu zielen, also gerade auch durch eine möglichst große Nähe zu dem symbolhaltigen Ort, hier des G8-Gipfels. Die Versammlungsbehörde hat in der Verbotsverfügung selbst festgehalten, dass der Zaun aufgrund seiner Baukosten sowie seiner optischen Wirkung ‘das besondere Interesse der Öffentlichkeit und insbesondere der Gipfelkritiker’ auf sich ziehe. Dass ein Versammlungsveranstalter darauf bedacht ist, dieses Interesse auch zur Konzentration der öffentlichen Aufmerksamkeit auf seine Protestveranstaltung zu richten, ist von seinem Selbstbestimmungsrecht umfasst.”

BVerfG, 1 BvR 1423/07

“Heute sehen sie aus wie eine GSG9 für Arme, uniformiert, trainiert und gut gerüstet.”

Bernd Ulrich aus Anlass des G8-Gipfels über Autonome

“Wenn ein Hinterfotziger einem anderen Hinterfotzigen Hinterfotzigkeit vorwirft, nähern wir uns dem prallen politischen Kosmos der CSU”.

Mathias Krupa in der ZEIT

“Mami, Mami, Mami!”

Paris Hilton, nachdem nun doch ihre 45-tägige Haftstrafe absitzen muss

“Ein Statement gegen diese schreckliche Emo-Kultur.”

Dirk von Lowtzow über “Kapitulation”.

“unbestreitbar eine nicht unerhebliche Lärmbelästigung“

Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt über den Bundeswehr-Tornado-Einsatz in Heiligendamm.

“eindeutig rechtswidrig“

SPD-Abgeordnete Wolfgang Gunkel zu demselben Thema.

Das Verteidigungsministerium hat sich für die Überwachungsmaßnahmen während des G-8-Gipfels in Heiligendamm entschuldigt. Innenminister Schäuble stellte seinem Kollegen Jung extra seine Kartei mit den Namen und Adressen der Demonstranten zur Verfügung, damit über jedes Haus von Globalisierungskritikern ein Tornado mit nachgezogenem Spruchbanner ‘Tschuldigung! Wird nicht wieder vorkommen!’ fliegen konnte.

Titanic-Newsticker

“Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet.”

Kardinal Meisner

“Wenn das Schule macht, darf sich keiner wundern, wenn der braune Ungeist in Deutschland weiter salonfähig wird”

Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland

“Wenn es kein anderes Mittel gibt, würde ich den Abschussbefehl geben, um unsere Bürger zu schützen.“

Verteidigungsminister Franz Josef Jung, der ein entführtes Passagierflugzeug bei einem Terrorangriff notfalls ohne gesetzliche Grundlage abschießen lassen.

Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, – es war ’ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, – aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben […]“

Eva Hermann im Anschluss an die Vorstellung ihres Buches

 

Eva braun?

Bild-Kommentator Helmut Böger über Eva Hermans Lob auf die NS-Familienpolitik.

„Es gab keine Hetzjagd in Mügeln, sondern auf Mügeln und die Mügelner. […] Ich finde es unerträglich, wenn ein ganzer Ort und ein ganzer Landstrich stigmatisiert wird.“

Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt.

Eine Gruppe von rund fünfzig jungen Deutschen hatte Mitte August in Mügeln acht Inder nach einem Streit beim Stadtfest mit ausländerfeindlichen Parolen durch den Ort gehetzt und zum Teil verletzt.

“Rundfunkfreiheit ist nicht nur die Freiheit, Gebühren zu kassieren. Rundfunkfreiheit ist die Freiheit und die Pflicht, Qualität zu bieten – auch wenn sie viel kostet.”

Heribert Prantl

“Nach dem dritten ‘El Condor Pasa’ auf der Panflöte muss einfach mal Schluss sein.”

Dieter Küßner, CDU-Stadtrat aus Hannover, zur Begründung seiner Forderung, Straßenmusiker einer staatlichen Qualitätskontrolle zu unterziehen.

“Es ist kein politischer Grund. Ich sage es ausdrücklich.”

Franz Müntefering bei seiner Rücktrittserklärung.

“Im Münte-Sprech: Arbeit gut, Hilfe groß, Mensch klasse. Danke, Münte.”

Altkanzler Gerhard Schröder zum Rücktritt Münteferings.

“Seine Frau im Dunkeln sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal.”

Wolfgang Thierse, der deutlich machen wollte, daß es im Spannungsfeld zwischen Politik und Familie keine ideale Lösung gebe.

“Es lebe der König!”

FDP-Chef Guido Westerwelle nach dem Eklat zwischen Spaniens König Juan Carlos und Venezuelas Präsidenten Hugo Chavez auf dem Lateinamerika-Gipfel in Santiago de Chile. Chavez hatte den spanischen Ex-Regierungschef José María Aznar als “Faschisten” bezeichnet. Der Monarch antwortete darauf: “Warum hältst Du nicht endlich den Mund?”

“Ihr wisst ja überhaupt nicht mehr, was in der christlichen Soziallehre steht.”

Linke-Fraktionschef Oskar Lafontaine am 14.11. im Bundestag. Er kritisierte damit die Unions-Abgeordneten, die im Koalitionsausschuss den Post-Mindestlohn abgelehnt hatten.

“Ich habe die Essenz der Demokratie eingeführt, ob es jemand glaubt oder nicht.”

Der pakistanische Militärmachthaber Pervez Musharraf am Freitag bei der Vereidigung der Übergangsregierung, die unter den Bedingungen des Ausnahmezustands Wahlen vorbereiten soll.

“Wenn ich immer höre, bei Sechzig sei die Stimmung so toll! Da ist gar nichts toll, die sind fast pleite!“” Das erinnere ihn an die Diskussion bei 1860 über die Rückkehr ins Grünwalder Stadion, “aber wenn ihr das wollt, dann könnt ihr irgendwann in der Regionalliga spielen. Mit diesem Präsidium aber nicht.”

“Eure Scheißstimmung. Da seid Ihr doch für verantwortlich und nicht wir.”

Uli Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern.

“Sozialhilfeempfänger werden keineswegs schöpferisch aktiv. Viele sehen ihren Lebenssinn darin, Kohlehydrate oder Alkohol in sich hinein zu stopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen. Die wachsen dann verdickt und verdummt auf.”

Oswald Metzger, gibt den Grünen ein soziales Profil

“Eine Politik des Nichtentscheidens führt dazu, dass die Gemeinschaft der 27 allzu bereitwillig in nationalstaatliche Muster zurückfällt.”

Jürgen Habermas als Gast der Gesprächsreihe “Philosophy meets Politics” im Berliner Brandt-Haus über Europa

“Brasilianische Spielweise einfordern mit Füßen aus Malta, das geht eben nicht.”

Rudi Völler über die Philosophie des Managers der Nationalelf Oliver Bierhoff

“Das ist die spannende Frage: Wer übersetzt da seine freien Reden.”

Urban Priol über Edmund Stoiber als Berater für Bürokratieabbau in Brüssel

“In der Mitte sind wir – und nur wir.”

Angela Merkel über die CDU/CSU

“Das neue CDU-Programm liest sich wie gedruckte Kaufhausmusik – es klingt ganz gut, aber ihm fehlt jede Tiefe.”

Frank-Walter Steinmeier

„Dazu kann ich ihnen nur erwidern, dass ich und die meisten meiner Kollegen im kleinen Finger mehr Unternehmensbindung haben, als ihre ganze Führungsriege zusammen. Sie haben massiv Wissen, Kompetenz und Arbeitsplätze an Stellen vernichtet, wo das alles unverzichtbar war, indem sie durch Umstrukturierung hochqualifizierteMitarbeiter in gänzlich neue und unbekannte Arbeitsbereiche oder nach Vivento versetzt haben oder sie zum Vorruhestand, zur Altersteilzeit oder einer Abfindung ‚überredet‘ haben. Halten Sie uns wirklich für so dumm, dass wir ihnen dafür Anerkennung zollen?“

Ein Berliner T-Com-Techniker in einer Protestmail an den Konzernvorstand