Mein kleinster Fehler ist der Neid

Mein kleinster Fehler ist der Neid. –
Aufrichtigkeit, Bescheidenheit,
Dienstfertigkeit und Frömmigkeit,
Obschon es herrlich schöne Gaben,
Die gönn ich allen, die sie haben.

Nur wenn ich sehe, daß der Schlechte
Das kriegt, was ich gern selber möchte;
Nur wenn ich leider in der Nähe
So viele böse Menschen sehe,
Und wenn ich dann so oft bemerke,
Wie sie durch sittenlose Werke
Den lasterhaften Leib ergötzen,
Das freilich tut mich tief verletzen.

Sonst, wie gesagt, bin ich hienieden
Gottlobunddank so recht zufrieden.

Wilhelm Busch, der heute vor hundert Jahren gestorben ist.

Der sarkastische Wilhelm Busch (1832-1908) führt uns auch heute noch in die Abgründe der kleinbürgerlichen Existenz: Heillose Geschichten von Kindern, Tieren und von seriösen Vertretern der bürgerlichen Mittelschicht, haben alle eines gemeinsam – die unbelehrbare Lust an der Heimtücke. Einer seiner Lieblingshelden, der Unglücksrabe Hans Huckebein, gibt das Programm vor: „Die Bosheit war sein Hauptpläsier.“

DIE SELBSTKRITIK HAT VIEL FÜR SICH.

Gesetzt den Fall, ich tadle mich,
So hab ich erstens den Gewinn,
Daß ich so hübsch bescheiden bin;
Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann ist lauter Redlichkeit;
Auch schnapp ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen;
Und viertens hoff ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
Daß ich ein ganz famoses Haus.

Mehr zum 100. Todestag

  • Die „Buschianer“Achim Greser & Heribert Lenz „‚Witze für Deutschland“ steht auf dem ‚Firmenschild‘ des Zeichner-Duos Greser und Lenz, die seit Mitte der neunziger Jahre die Leser der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) mit ihren politischen Karikaturen erfreuen und vielleicht auch manchmal erschrecken.“ Im Doppel-Kopf-Gespräch zu hören: hr2 – podcast vom 9.1.
  • Aus seinem umfangreichen Werk stellt mdr-Figaro einen Querschnitt vor – rezitiert u. a. von Hans Clarin, Götz Alsmann und Tom Pauls.
  • Wiglaf Droste über Wilhelm Busch (Audio)
  • Robert Gernhardts „Ein dreifach Tusch für Wilhelm Busch“ (Audio)