Scheibenwischer in Hochform

Das politische Kabarett liegt in den letzten Zügen. Das ist so’n Satz der seit Jahren wiederholt, aber dadurch nicht wahrer wird. Wie man am Erfolg von „Neues aus der Anstalt“ sehen kann, ist es quicklebendig und wohlauf. Die Comedy-Welle hat dem Kabarett keinen Abbruch getan – nach meinem Eindruck allenfalls das Pointen-Tempo erhöht. Wobei das noch nicht mal stimmen muss. Denn der große Kabarettist der Weimarer Republik, Werner Fink, fragte seinerzeit die Gestapo-Beamten, die sich in seinen Programmen Notizen machten „Kommen Sie mit? Oder muß ich mitkommen?“ Höher kann man das Tempo und die Kunst des politischen Kabaretts wohl nicht mehr schrauben.

Auch der ARD-Scheibenwischer ist lange totgesagt – und hat trotzdem die schmerzlichen Abgänge von Hildebrandt und Schramm überstanden. Als Mashup von Theater und Kabarett gab es hier in der vorigen Woche wieder das ganz große Kino:

Jonas, Richling, Lüdecke und Egersdörfer gaben ihre Spitzen in einem Elektromarkt-Bühnenbild zum besten. Natürlich war Lichtenstein das Eröffnungsthema und Jonas schlug hier genüßlich die Brücke zur CDU-Spendenaffäre und dem Vermögen des Vatikan.

An der Kasse eines Elektofachgeschäft hat Richling der deutschen Jugend den Vorteil eines ruhmvollen Endes in Afghanistan vorgerechnet. Dies sei besser als mit Hartz4 langsam zugrunde zu gehen. Die Leichenkisten der NATO wurde an der Kasse durch kleine vom Band purzelnde Pakete dargestellt. Feines bis böses Solo!

Egersdörfer machte den Praktikanten mit Foltererfahrung in einem CIA-Camp in Rumänien, während Lüdecke einen kleinen Grundkurs „Ökonomie“ dozierte.

Und Bruno Jonas verblüffte mit einer naheliegenden Frage, die sich eigenartigerweise niemand in Deutschland stellt:

20 Mrd. Euro für die Bankenrettung nach fehlgeschlagenen Spekulationen sind politisch schnell beschafft. Aber die eine Milliarde fürs Kindergeld ist nicht aufzutreiben. „Wer organisiert eigentlich die Kinderarmut in diesem Land?“

Am Ende rief das „Kommando Peter Graf – Bewegung Zweiter Jaguar“ die anti-fiskalische Revolution aus. Und Richling schaffte es, den farblosen und langweiligen Michael Glos zu parodieren, was alleine schon eine eine Leistung ist. Dass Glos aber eigentlich ein Partisanenkämpfer ist – auf die Idee muß man kommen…

Für mich die beste Sendung seit Schramms Abgang. Hier der Flash-Stream: Scheibenwischer.