Überwachungskomposition: Call Wolfgang

Das neuestes Werk des Komponisten Johannes Kreidler: „Call Wolfgang – terrorist generated content“.

Grundlage ist eine VoIP-Verbindung zwischen zwei Rechnern. Die führen ein automatisch generiertes „Gespräch“, einen „algorithmischen Theaterdialog in Abhörkulisse“. Neben unverständlichen Lautfetzen enthält der Dialog Schlüsselwörter, die bei Sicherheitsbehörden einen Überwachungsreflex auslösen sollen. Darunter befinden sich nicht nur naheliegende Reizkombinationen wie „Bombe“, „Koranverse“ und „Ungläubiger“, sondern auch verhältnismäßig unverdächtig klingende wie „Reproduktion“, „Prekarisierung“ und „Bezugsrahmen“, die für das BKA in der Vergangenheit nichtsdestotrotz Anlass für Ermittlungen gegen einen Berliner Soziologen waren.

Kreidler selbst fasst seine Anstrengungen in einem Video wie folgt zusammen: „Sehr verdächtig. Gut, dass das alles abgehört und gespeichert wird!“ In einen Interview sieht er die Installation auch als Antwort auf eine alte Frage von Walter Benjamin: „Kunst muss verdächtig sein, das ist ihre Aura.“

via heise.de