Großes Kino – Dialoge XXIV

ZEIT: Der Roman spielt in den Truman- und Eisenhower-Jahren. Ich bin 1959 in Amerika zur Schule gegangen. Die unerfüllten Träume der Jungs an der Highschool kreisten um Triumphe im Sport, um Cheerleader und einen Blowjob im Chevy.

Roth: Nein, der Blowjob kam viel später, nach Kennedys Ermordung.

ZEIT: Eine besondere Form von Antiamerikanismus scheint die schwedische Jury befallen zu haben, die über den Literaturnobelpreis entscheidet. Jedenfalls hat der mächtige Sekretär des Nobelkomitees in Stockholm, Horace Engdahl, im vorigen Oktober erklärt, Amerikas Autoren seien zu empfänglich für die Trends ihrer eigenen Massenkultur. Das ziehe die Qualität ihrer Arbeit nach unten. Europa sei das Zentrum der literarischen Welt. Damit scheint Ihre Chance – oder die von Pynchon, Updike oder deLillo, von Auster oder Ford – auf den Nobelpreis auf null gesunken zu sein.

Roth: Also, das hat er nicht gesagt.

ZEIT: Doch, doch.

Roth: Aber warum?

ZEIT: Vielleicht hat er einen antiamerikanischen Vogel?

Roth: Jeder, der irgendetwas von Literatur versteht, weiß, dass die amerikanische Literatur seit 1945 von dauerhafter, ja größter Stärke ist. Ich könnte mindestens 12, nein, 15 amerikanische Autoren nennen… Also, nein, das kann er nicht gesagt haben.

Ein Interview in der ZEIT mit dem großen Philip Roth über das Alter, den Antiamerikanismus und sein Leben in den Büchern.