Toxische Glossen

Liebe Humoristen, Satiriker & Glossenschreiber,

auf ein Wort – und das Wort heißt Krise. Es führt kein Weg dran vorbei, denn: Ja, auch uns hat es erwischt. Zu spät haben wir* gemerkt, dass in unseren Schränken toxische Papiere lagern. Zum Beispiel Texte über den unbesockten Männerfuß, der – haha – nicht vorzeigbar ist. Mal ehrlich, wer schnürt gerade nicht wieder das Bündel dieser witzarmen Derivate, um es im Frühsommer den Redaktionen unterzuschieben. Dabei sind die Papiere schon so oft gepackt, geschmückt und weiterverkauft worden, dass niemand mehr den hohen Anteil heißer Luft auch nur ahnen kann.

Jetzt aber werden wir mitgerissen vom AIGHypoRealEstateSchaeffler-Strudel und fragen uns: Wo ist die Bad Bank, die den Schrott für viel Geld aufkauft? Wo die Abwrackprämie für ausgelatschte Pointen? Auch Bürgschaften für vom Untergang bedrohte Satire sind nicht in Sicht.

Wir, liebe Kolleginen und Kollegen, müssen also deutlicher machen, das wir eine systemrelevante Branche sind. Too big to fail! Ohne den kleinen Lacher beim Streiflicht würde doch der ganze Laden zusammenkrachen. Ohne das Schmunzeln über Martensteins Ergüsse und ohne das Titanic-Magazin hätten wir den Eisberg der Verzweifelung schon lange gerammt.

Stellen wir uns also unter den Rettungsschirm des Superwahljahres, produzieren wir wieder ehrliche Pointen – und zeigen wir allen Lesern mal so richtig, wo die Frühsommerpointen hängen.

Lacht kaputt, was euch kaputtmacht!
Eure Glossengenossen

* erscheint als Glosse im Print