Großes Kino – Dialoge XXV

Bundesinnenminister Schäuble hat eine Nominierung von Friedrich Merz zum neuen deutschen EU-Kommissar nicht ausgeschlossen. Der sei „ein guter Vorschlag, keine Frage“, sagte Schäuble. Wirklich?

Friedrich Küppersbusch: Absolut. Nach dem Versuch der CDU bei der letzten Wahl, sich mit nur ein, zwei Merz-Spezial-Dragees umzubringen, gehört der Bursche sicher dort verwahrt, wo die deutsche Politik ihre Problembärchen entsorgt. FDPler Manfred Brunner wurde EU-Kabinettschef, bevor er mit Haider und Kappel rechtsextreme Grüppchen gründete. Wirtschaftsminister Bangemanns Wechsel vom Telefonie-Kommissar zum Vorstand der „Telefonica“ gab Anlass, die Korruptionsregeln der EU zu verschärfen. Die Deutschen haben also einen blamablen Ruf zu verteidigen dort. So gesehen lässt Schäubles Einschätzung Merz an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.

Karl-Heinz Kurras war Stasimitarbeiter. Muss die Geschichte der Linken umgeschrieben werden?

Friedrich Küppersbusch: Ja, die Nazi-Stammzellen haben sich in der DDR u. a. zu Blockwart und Stasi entfaltet, in der BRD zu Hetze und völkischen Zeitungen. Spätere Generationen werden die Ähnlichkeit in der Denke etwa der SED („In der DDR konnten sich unsere Frauen nachts in den Park trauen“) und der Springer-Blätter nüchterner erkennen. – Nach Quellenlage ist der Fall Kurras – dumme Waffendeppen konnten beide Systeme offenbar gut gebrauchen – allerdings untypisch; die Stasi erfuhr erst im Nachhinein von seinem Mord.

via: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?