habermas. achtzig.

„Ob man mit ihnen einverstanden ist oder nicht, hier geht es in der Philosophie um etwas.“ Besser als John Rawls kann man Habermas nicht auf den Punkt bringen. Heute zum 80sten Geburtstag von Jürgen Habermas kommen die Feuilletons kommen nicht zur Ruhe. Es wird besprochen, gewürdigt und auch kritisiert, was das Zeug hält. Habermas ist bis heute ein Reibebaum geblieben – und wird weltweit rezipiert.

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2008 in Essen

Imposant fand ich im vorigen Jahr „meine drei Tage mit Jürgen H.“ auf dem Deutschen Kongress für Philosophie. Zum einen war es beeinruckend, wieviele Leute er mit seinem eigenen Vortrag am letzten Tag angezogen hat. Im Essener Audimax war es rappelvoll, selbst auf den Treppen und auf der Bühne saßen Leute – der Vortrag musste in einen anderen Hörsaal als Stream auf die Leinwand geworfen werden, um den Andrang zu bändigen. Das war Philosophie & Pop. Zum anderen saß er in vielen Veranstaltungen, stieg pennälerhaft-jugendlich über Hörsallbänke und plauderte in den Pausen mit Gott und der Welt. Ein Hochschullehrer erzählte mir am letzten Tag, dass es abends in der Hotelbar immer noch weiterging ging… Aber vor allem fasziniert war ich von der erfrischenden Neugier, die er in den Debatten zu den jeweiligen Vorträgen an den Tag gelegt hat. Schlicht, weil es offensichtlich war, wie Habermas ohne eine Spur von intellektueller Befangenheit Probleme durchdenkt.

Es war gewissermaßen an drei Tagen sinnlich nachvollziehbar, warum Habermas sich selbst zwischen die Stühle von Spezialisierungen und Fächergrenzen gesetzt hat: Forschung, Argumentationen und Theorien zu integrieren ist sein Programm und seine große Gabe. Von jedweder philosophischen Position stellte er durch Zusammenfassungen, die nicht selten wie beeindruckende Stimmimitationen der betreffenden Klassiker wirkten, Kondensate her.

Habermas dachte und denkt bis heute stets mit und gegen & fast immer mit dem Ziel, einer moral-, rechts- oder gesellschaftstheoretischen Position nachzuweisen, dass, wenn sie nur um ihre Stärken und Schwächen besser wüsste, auch sie zu vernünftigen, humanistischen Schlüssen disponiert wäre.

Wie gesagt: Sehr beeindruckend. Gratulation & auf die nächsten achtzig!