Großes Kino – Dialoge XXVI

In Afghanistan läuft die bislang größte Bodenoffensive der Bundeswehr. Jung will immer noch nicht vom Krieg sprechen. Wie nennen Sie das ?

Küppersbusch: Sparsam. Lebensversicherungen zahlen nur aus, wenn die Opfer nicht durch „aktives Kriegshandeln“ umkamen. Brunnenbau schützen, korrekt sterben; Taliban angreifen – Herr Kaiser von der Humbug-Mülleimer ist raus. Die Süddeutsche zitiert einen Versicherungsexperten: „Ein richtiger Krieg ist praktisch nicht versicherbar.“ Ein falscher auch nicht. Sprächen Jung und Alt also von „Krieg“ und „Gefallenen“, müsste langfristig die Bundesregierung eintreten. Daneben schrecken die Begriffe natürlich und enttarnen das Orwellblech von Schröderfischer: Die Bundeswehr sei jetzt praktisch der bewaffnete Arm des Roten Kreuzes, Deutschlands Freiheit werde verteidigt, bis der Hindu kuscht. Aber wie sagt schon das Sprichwort: Im Dingens stirbt zuerst die Wahrheit.


Das Chaos bei der S-Bahn dauert an. Brauchen wir Hartmut Mehdorn zurück?

Küppersbusch: Damit das Grauen einen Namen hat? Wenn in ein, zwei Jahren zwei Drittel der AirBerlin-Maschinen aus technischen Gründen nicht mehr starten dürfen, hat er dort auch Wesentliches geleistet. Mehrdorns Administration hat die profitable und für die städtische Ökologie fundamentale S-Bahn ausgeplündert. Billigzüge gekauft, Wartung und Werkstatt abgebaut: Erstaunlich, dass die Bahn-Manager das notorische „Zurückbleiben, bitte“ so persönlich genommen haben. Nun haben diese Zurückgebliebenen aber mithilfe von Bild den Hauptschuldigen gefunden: „Endlich haut Wowereit dazwischen. Er hätte schon längst eingreifen können, ja müssen!“ Langsam nervts, wie notgeil Bild auf Verstaatlichung ist.

In Nachterstedt rutschen Teile einer Siedlung in den Abgrund. Altlasten des Bergbaus. Warum stehen Kanzlerin und Kanzlerkandidat nicht längst mit Gummistiefeln vor Ort?

Küppersbusch: Hm, schön gedacht, aber ob der Abgrund beim Verschlingen auch Auftragsarbeiten macht ?

via taz: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?