L’homme révolté

„Ich mache ganz einfach meine Arbeit, die für mich sehr wichtig ist. Ich bin auf der Suche, und das teile ich mit vielen Menschen. Wir suchen in der Nacht mit Zittern und Zagen. Aber es gibt einen Weg. Das ist der Glaube an das Leben, trotz allem.“

Albert Camus

Als jemand, der bei dem deutschen Camus-Forscher sein Studium begonnen und abgeschlossen hat, gruselt’s mich vor den aktuellen Artikeln zum fünzigsten Todestag, weil sie die alten Fehler der Rezeption noch einmal wiederholen. Auf drei sei trotzdem verwiesen:

Wie üblich hilft vor allem das Selbstlesen:

„Aufgewachsen im Anblick der Schönheit, die mein einziger Reichtum war, hatte ich in der Fülle begonnen. Dann war der Stacheldraht gekommen, das heißt die Tyrannei, der Krieg, der unerträgliche Hass, die Zeit der Aufstände. Man musste sich den Gesetzen der Nacht unterordnen; die Schönheit des Tages blieb nur Erinnerung. Aber in den schlimmsten Jahren unseres Wahnsinns hat mich diese Erinnerung nie verlassen. Sie war es letztlich, die mich daran gehindert hat zu verzweifeln. Und man weiß, dass es heute mehrere Arten der Verzweiflung gibt, wobei die bequemste darin besteht, seine Brüder zu verraten und einzuwilligen, dass der Mensch geknechtet wird.“

Albert Camus: „Hochzeit des Lichts“. Literarische Essays.

Endlich neu aufgelegt im Arche Verlag 2010.

Außerdem kann ich sehr empfehlen Heinz R. Schlette: Albert Camus. Welt und Revolte.

Arte zeigt heute den Dokumentarfilm „Albert Camus. Kampf mit dem Absurden – Dokumentarfilm Frankreich/Großbritannien 1996“, der eventuell ab morgen online zu sehen ist.

„Es gibt eine Freiheit am Mittag, wenn das Rad der Welt anhält und der Mensch ja sagt zu dem, was ist. Doch das, was ist, wird. Man muss zum Werden ja sagen. … Wir entscheiden uns für Ithaka, die treue Erde, das kühne und nüchterne Denken, die klare Tat, die Großzügigkeit des wissenden Menschen. Im Lichte bleibt die Welt unsere erste und letzte Liebe. Unsere Brüder atmen unter dem gleichen Himmel wie wir; die Gerechtigkeit lebt. Dann erwacht die sonderbare Freude, die zu leben und zu sterben hilft und die auf später zu verschieben wir uns fortan weigern.“

Albert Camus: L’homme révolté

Am 4. Januar 1960 ist Albert Camus im Alter von siebenundvierzig Jahren bei einem Autounfall im Wagen seines Verlegers Michel Gallimard ums Leben gekommen.