Großes Kino – Dialoge XXXVI

taz: Lange hat die Union für die Fußfessel geworben, jetzt ist ihr diese Maßnahme plötzlich zu lasch. Soll man die Täter doch lieber länger wegsperren?

Küppersbusch: Darf man aber nicht, ätsche. Sagt der Europäische Menschenrechtshof: „Nulla Poena sine lege“, klingt wie ein cooler Albumtitel für eine Gothicband und ist auch ein Urquell der Gerechtigkeit: „Keine Strafe ohne Gesetz“. Untherapierbare und gemeingefährliche Schwertsverbrecher dürfen nicht mehr – wie bisher üblich – „nachträglich sicherheitsverwahrt werden“. Denn das verstößt gegen das o. g. „Rückwirkungsverbot“. Heißt: die Behörden müssen Höchstgefährliche laufen lassen. Die sollen dann wenigstens, so der FDP-Plan, Fußfesseln tragen. Die Union besorgt, dass dies pathologische Kandidaten nicht am Wiederholungstätern hindern könne, und das ist eine humanere Formulierung für SPD-Schröders „Wegsperren, und zwar für immer“. Und dass ich den Gedanken durchaus verstehen kann, muss am Alter liegen. Z. B. dem meiner Tochter.

Wie geht’s uns, Herr Küppersbusch?