Der Sound des Sachzwangs

„Dennoch steckt in der Politik des Sachzwangs eine subtile Erpressung. Sie demütigt den demokratischen Geist und beleidigt den politischen Freiheitssinn, weil sie Inhalt und Ziel einer »Innovation« oder eines Großprojekts immer schon vorgibt, weil sie dem Wähler die Wahl nimmt und ihn nötigt, der alternativlosen Entscheidung in freier Einsicht »zwanglos« zuzustimmen. Die Implantierung von Sachnotwendigkeiten in die mentale Verfassung der Gesellschaft mag eine Weile funktionieren, aber früher oder später erzeugt sie Ohnmachtsgefühle, die sich als Protest Ausdruck verschaffen. Dann erkundigen sich aufsässige Bürger plötzlich nach Alternativen, sie verlangen, wie die Begeisterung für den verhinderten Bundespräsidenten Joachim Gauck beweist, eine andere, nämlich aufrichtige Form der politischen Kommunikation – sie verlangen nach demokratischer Transparenz und Mitsprache.“

Thomas Assheuer