WikiLeaks, Spinternet ist und die Romatisierung des Internet

tp: Meine letzte Frage: Sie kritisieren die die übersteigerten Hoffnungen, die sich auf soziale Veränderungen durch das Internet richten. Solche Erwartungen sind ja kein neues Phänomen; auch um Faxgeräte und Fernsehapparate und Rundfunkgeräte wurden utopische Hoffnungen gesponnen. Was steckt eigentlich hinter dieser Haltung, die sich das Heil von einer Technologie erwartet?

Evgeny Morozov: Die kurze Antwort lautet: Unwissenheit. Dann Bequemlichkeit. Es ist einfacher, von einer „Twitter-Revolution“ zu sprechen, als die Widersprüche der iranischen oder chinesischen Gesellschaften wahrzunehmen. In den USA ist die Ansicht weit verbreitet, dass die Menschen in China und dem Iran quasi automatisch rebellieren werden, wenn sie nur genug Kommunikationsgeräte zur Verfügung haben. Sie glauben, dass alle Menschen sich nach Demokratie westlicher Prägung sehnen.

Die Gründe für die Romantisierung des Internet liegen in solchen falschen Annahmen. Sie wollen den Iranern und Chinesen das Internet als politische Waffe geben, damit sie ihre Regierungen stürzen – nicht, damit sie Pornos anschauen und verbotenerweise Spielfilme herunterladen. Leider ist letzteres die Regel.

Evgeny Morozov, Experte für Internet und Globalpolitik, erklärt telepolis, warum die US-Regierung nett zu WikiLeaks sein sollte, was Spinternet ist und warum das Internet romantisiert wird.