Großes Kino – Dialoge XXXX

FAZ: Wollen Sie damit etwa andeuten, dass Sie gar kein Intellektueller sind?

Woody Allen: Ganz genau. Lachen Sie nicht. Wegen meiner Brille kann ich zwar recht überzeugend einen Intellektuellen darstellen, aber man sollte nicht den Fehler machen, mich mit meinen Filmfiguren zu verwechseln. Im wirklichen Leben bin ich alles andere als ein grüblerischer Bücherwurm. Mein erstes Buch habe ich mit achtzehn Jahren gelesen. Ich habe mich überhaupt nur mit ernsthafter Literatur befasst, weil ich merkte, dass das bei vielen Frauen gut ankam. Ich schließe mich nicht abends mit dem Werk eines dänischen Philosophen im Zimmer ein, um mit dem Bleistift kluge Anmerkungen an den Rand zu kritzeln. Stattdessen sitze ich mit einem kühlen Bier vor dem Fernseher und sehe mir die Basketball-Playoffs an. Ich bin ein großer Sportfan.


FAZ: Konnten Sie mit Ihrem Humor nicht automatisch bei den Frauen punkten?

Woody Allen: Wenn Frauen gefragt werden, was sie an einem Mann besonders attraktiv finden, antworten sie oft: „einen Sinn für Humor“. Es verblüfft mich immer wieder, dass die Damen offenbar so ticken – und es freut mich natürlich sehr, denn sonst hätte ich wohl kaum Chancen gehabt, bei ihnen zu landen. Im Übrigen habe ich die Erfahrung gemacht, dass Humor auf dem Weg zu sexuellen Aktivitäten zwar durchaus förderlich sein kann, aber während des Beischlafs eher kontraproduktiv ist.

Woody Allen im F.A.Z.-Gespräch