Großes Kino – Dialoge XXXIX

taz: Horst Seehofer bezeichnet die Grenzöffnung für Flüchtlinge als „Herrschaft des Unrechts“. Fällt dem nichts Neues ein?

Küppersbusch: Vor ein paar Wochen blockwartete SPD-Fraktionschef Oppermann mit einer Überraschung auf: „Bodenständige Konservative haben in der CDU keine politische Heimat mehr“, Merkel mache „Millionen Bürger politisch heimatlos“, weswegen viele dann „zur AfD abwanderten“. Oppermann als CDU-Grundwerte-Kommissar mutet skurril an, was seiner Analyse nichts nimmt: Horst Seehofer war selten so wenig lose Kanone wie jetzt. Er kuschelt mit Putin, weil der „Kalte-Krieg-Kurs“ gegenüber Russland vielen Sorge macht. Er plagiiert den Jargon von Pegida und Montagsirren. Er macht den schmutzigen Job des rechten Ausputzers. Seehofer hat sich lange mit Bastelkram wie „Ausländermaut“ und „Betreuungsgeld“ zum Horst gemacht. Sein Fehler ist weniger der Sprechdurchfall jetzt und viel mehr die Feigheit, abweichende Positionen mit starrem Blick auf die dunnemals Wahllokomotive Merkel runterzuschlucken. Manche CDU-Wähler mögen ihn irre finden – kein Problem, die CSU kandidiert nur in Bayern. Umgekehrt wurde früher außerhalb Bayerns oft auch CDU gewählt und CSU gemeint. Das sahnen jetzt, Tiefschlafhorst sei’ s gedankt, AfD und andere ab, die glaubwürdigere Rechtsdumpf-factory-outlets betreiben.

via taz.de – Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?