Trump und der Trumpismus

„In Gestalt Trumps könnten wir in der Tat Zeuge einer tektonischen Verschiebung in den internationalen Beziehungen sein, mit der die Vereinigten Staaten freiwillig auf ihre Rolle als ‚Wächter der Weltordnung und Vorkämpfer der menschlichen Freiheit‘ (Stewart Patrick) verzichten und zu Nationalismus und Konkurrenz im Stile des 19. Jahrhunderts zurückkehren.

Ebenso denkbar wäre es allerdings, dass wir tagtäglich mit der kolossalen Eitelkeit eines weltgeschichtlichen Narzissten konfrontiert werden, der eher bellt als beißt und dessen zutiefst zerstörerische Rhetorik nicht auf eine genaue Lektüre der Schriften von Noam Chomsky und Pat Buchanan zurückgeht, sondern auf seine Erfahrung als Produzent von Reality-TV-Müll mit höchsten Einschaltquoten.“

James Kirchick – Trump will die Weltordnung zerstören – na und?

Während Kirchick noch optimistisch bleibt und die liberale Weltordnung eher rhetorisch angegriffen sieht, ist Norbert Birnbaum Trump forever? Das Elend der amerikanischen Demokratie skeptisch, was die Novemberwahlen und die weitere Präsidentschaft Trumps angeht:

„Zudem ist die Fragmentierung dessen, was einmal als öffentlicher Raum bezeichnet werden konnte, weit fortgeschritten. Wir haben heute unterschiedliche Mediengemeinden mit separaten Öffentlichkeiten und je eigenen Wahrheitskriterien. Trumps Verfälschungen der Realität kommen besonders bei jenem großen Teil der Bevölkerung gut an, der seit langem an Verschwörungen glaubt, an die Manipulation von Wirtschaft und Gesellschaft durch finstere Mächte. Fügt man dem eine kräftige Prise Rassismus und Xenophobie hinzu, so wird Trumps Anspruch, als eine Art Volkstribun für die einfachen Leute zu sprechen, durchaus stimmig. Er hat einen Großteil des traditionellen Misstrauens, das Republikaner staatlichem Handeln entgegenbringen, mit primitiven Phantasien und Protestregungen gegen aktuelle materielle und moralische Verlusterfahrungen verschmolzen. Seine unaufhörliche Internet- und TV-Präsenz verrät, dass wir es in der Tat mit einem Besessenen zu tun haben. Seine Ausstrahlung hat etwas Schamanenhaftes an sich.“