Kategorie: dichter dran

Fremdscham und Kotzimpuls

„Hinter mir quetscht sich eine aus ihren zu engen Klamotten quillende, bebrillte Frau mit kurzen schwarzen Haaren an mich, die in diesem Augenblick der hässlichste Mensch zu sein scheint, den ich je gesehen habe. Dunkles Geheimnis Heterosexualität, ich könnte kotzen.“

Gustav Seibt über Helen Hegemanns Party zum 18. Geburtsag im Sound ihres Plagiat/Sample-Romans: „Anything Ghost

L’homme révolté

„Ich mache ganz einfach meine Arbeit, die für mich sehr wichtig ist. Ich bin auf der Suche, und das teile ich mit vielen Menschen. Wir suchen in der Nacht mit Zittern und Zagen. Aber es gibt einen Weg. Das ist der Glaube an das Leben, trotz allem.“

Albert Camus

Als jemand, der bei dem deutschen Camus-Forscher sein Studium begonnen und abgeschlossen hat, gruselt’s mich vor den aktuellen Artikeln zum fünzigsten Todestag, weil sie die alten Fehler der Rezeption noch einmal wiederholen. Auf drei sei trotzdem verwiesen:

Wie üblich hilft vor allem das Selbstlesen:

„Aufgewachsen im Anblick der Schönheit, die mein einziger Reichtum war, hatte ich in der Fülle begonnen. Dann war der Stacheldraht gekommen, das heißt die Tyrannei, der Krieg, der unerträgliche Hass, die Zeit der Aufstände. Man musste sich den Gesetzen der Nacht unterordnen; die Schönheit des Tages blieb nur Erinnerung. Aber in den schlimmsten Jahren unseres Wahnsinns hat mich diese Erinnerung nie verlassen. Sie war es letztlich, die mich daran gehindert hat zu verzweifeln. Und man weiß, dass es heute mehrere Arten der Verzweiflung gibt, wobei die bequemste darin besteht, seine Brüder zu verraten und einzuwilligen, dass der Mensch geknechtet wird.“

Albert Camus: „Hochzeit des Lichts“. Literarische Essays.

Endlich neu aufgelegt im Arche Verlag 2010.

Außerdem kann ich sehr empfehlen Heinz R. Schlette: Albert Camus. Welt und Revolte.

Arte zeigt heute den Dokumentarfilm „Albert Camus. Kampf mit dem Absurden – Dokumentarfilm Frankreich/Großbritannien 1996“, der eventuell ab morgen online zu sehen ist.

„Es gibt eine Freiheit am Mittag, wenn das Rad der Welt anhält und der Mensch ja sagt zu dem, was ist. Doch das, was ist, wird. Man muss zum Werden ja sagen. … Wir entscheiden uns für Ithaka, die treue Erde, das kühne und nüchterne Denken, die klare Tat, die Großzügigkeit des wissenden Menschen. Im Lichte bleibt die Welt unsere erste und letzte Liebe. Unsere Brüder atmen unter dem gleichen Himmel wie wir; die Gerechtigkeit lebt. Dann erwacht die sonderbare Freude, die zu leben und zu sterben hilft und die auf später zu verschieben wir uns fortan weigern.“

Albert Camus: L’homme révolté

Am 4. Januar 1960 ist Albert Camus im Alter von siebenundvierzig Jahren bei einem Autounfall im Wagen seines Verlegers Michel Gallimard ums Leben gekommen.

Großes Kino – Dialoge XXVIII

ZEITmagazin: Lesen Sie?

Allen: Nicht viel. Wegen meiner Brille hält man mich für einen Intellektuellen, der darauf brennt, nach Feierabend Kierkegaard zu lesen oder Bleistiftnotizen in Aufsätze über Hegel zu schreiben. Das ist aber ein Irrtum. Mein erstes Buch las ich mit achtzehn. Und zwar nur, um die Mädchen zu beeindrucken. Ich war ein guter Sportler, aber das glaubt mir niemand.

Woody Allen über New York, amerikanischen und europäischen Sex, Roman Polanski und Weihnachten bei den Allens…

Bad Sex in Fiction Award

Wie jedes Jahr wurde auch diesmal wieder der „Bad Sex in Fiction Award“ verliehen. Der Preis prämiert die schlechteste Sexszene einer literarischen Neuerscheinung. Zehn Autoren waren unter den Nominierten, darunter Amos Oz, Nick Cave, Philip Roth und Paul Theroux. Am Ende hat aber Jonathan Littell das Rennen um die schlechteste Sexszene gemacht:

„Her vulva was opposite my face. The small lips protruded slightly from the pale, domed flesh. This sex was watching at me, spying on me, like a Gorgon’s head, like a motionless Cyclops whose single eye never blinks. Little by little this silent gaze penetrated me to the marrow. My breath sped up and I stretched out my hand to hide it: I no longer saw it, but it still saw me and stripped me bare (whereas I was already naked). If only I could still get hard, I thought, I could use my prick like a stake hardened in the fire, and blind this Polyphemus who made me Nobody. But my cock remained inert, I seemed turned to stone. I stretched out my arm and buried my middle finger into this boundless eye. The hips moved slightly, but that was all. Far from piercing it, I had on the contrary opened it wide, freeing the gaze of the eye still hiding behind it. Then I had an idea: I took out my finger and, dragging myself forward on my forearms, I pushed my forehead against this vulva, pressing my scar against the hole. Now I was the one looking inside, searching the depths of this body with my radiant third eye, as her own single eye irradiated me and we blinded each other mutually: without moving, I came in an immense splash of white light, as she cried out: ‚What are you doing, what are you doing?‘ and I laughed out loud, sperm still gushing in huge spurts from my penis, jubilant, I bit deep into her vulva to swallow it whole, and my eyes finally opened, cleared, and saw everything.“

Litell war bisher scheinbar noch nicht für einen Kommentar zu haben.

Lesenswert auch die Passagen der vergangenen Preisträger.

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