Kategorie: dichter dran

Kritik der Kritik der Kritik

Ein Kritiker bespricht ein Buch, es gefällt ihm nicht. Einige LeserInnen melden sich zu Wort, ihnen gefällt das Buch, aber der Kritiker gefällt ihnen nicht. Ein weiterer Leser greift ein, ihm gefallen die LeserInnen nicht, weil sie gute Bekannte der Autorin zu sein scheinen. Und dann gehts ab. Sehr schön. Sehr erhellend.

via hinternet

Alles auf Abschied

„Wenn ich mir vorstelle, dass ich nur noch kurze Zeit zum Leben habe, dann erschrecke ich. Nicht weil ich unbedingt weiterleben will, sondern weil ich finde, dass ich mich verzettelt habe und eigentlich ganz anders leben müsste.“ Ernst Tugendhat, Philosoph und Kritiker deutschen Pseudotiefsinns, nimmt Abschied. Ein Gespräch in der taz über Todesangst, Heidegger, Antisemitismus und haltlose Spekulationen in der Hirnforschung.

Dichter dran XXIII

Leute, die nicht schreiben können, machen Interviews mit Leuten, die nicht denken können, und fabrizieren daraus Artikel für Leute, die nicht lesen können.

Frank Zappa

Volkssänger, Dadaist, Bürger und Anarchist

Valentin: Ich krieg eine Schachtel Dritte Sorte.
Verkäufer: Ja, bei uns gibt es keine Zigaretten zu verkaufen.
Valentin: Was gibt’s denn dann?
Verkäufer: Bei uns gibt es nur Schallplatten und Gramaphone.
Valentin: Dann gebn S‘ mir halt ein Gramaphon.

So geht absurdes Theater a lá Karl Valentin „Im Schallplattenladen“. Am Ende bringt er, der Kunde, der nichts kaufen will, den Verkäufer, der nichts anderes als verkaufen will, schier um den Verstand.

Ähnlich wie Albert Camus, der „Denker des Absurden“, schaut Valentin ohne jede Illusionen auf die Welt, die ihm fremd vorkommt, unverständlich und widersinnig. Er beobachtet und beschreibt im Alltagsleben Phänomene wie Ehe, Zahnarztgepflogenheiten, zoologische Gärten und Trinkgewohnheiten. Die Ergebnisse trägt er vor. Nüchtern, trocken und ohne Idealismus. Er begreift seine Gegenstände als absurde Gegenstände. Aber anders als Camus (bei dem das Absurde erst aus der Gegenüberstellung von fragendem Menschen und schweigender Welt entsteht) will Valentin dem Absurden nichts entgegenstellen. Da gibt es kein „Und dennoch“, keine bessere Welt, kein Kampf für die Erniedrigten und Beleidigten.

„Die biologische Wahrheit dieses Humors ist es, die so unheimlich berührt. Das Elend der Kreatur ist in ihn mitverarbeitet, Lustigkeit scheint hier oft entartete Traurigkeit. Dem Schalk sitzt der Melancholiker im Nacken“, sagte Alfred Pogar über Valentin. Und weiter: „Sein Humor, eine wunderliche Mischung aus Schwachsinn und Tiefsinn, ist metaphysische Clownerie. Seine Antwort auf die Frage, warum er die leere Brillenfassung, in der schon seit vier Jahren keine Gläser mehr sind, auf der Nase trage: ‚Besser als gar nix is es.‘, rührt an eine Vierte Dimension der Ulkigkeit.“

Bei Valentin kann man den „Höllentanz der Vernunft um beide Pole des Irrsinns“ (Tucholsky über V.) beobachten. Oder eben nicht, denn: „Ich weiß gar net, was die Kritiker da alles finden, in meine Sachen- i will doch bloß, daß die Leut lachen…“, sagte Valentin selbst. Weshalb auch einfach mal die Rezeptionsgeschichte beiseite geschoben werden kann, um dem Wortklauber und Sprachzertrümmerer zuzuhören:

Ganz ohne Worte:

Heute vor 125 Jahren ist Karl Valentin geboren. Der Bayerischen Rundfunk hat ein umfangreiches Dossier über den Komiker von Welt zusammengestellt. Mit weiteren Video-Kostproben. Die von Karl Valentins Erben autorisierte Website gibt es unter karl-valentin.de.

Zum Nichtrauchertag

“Ich rauche, trinke schwarzen Kaffee, schlafe zu wenig, mache zu wenig Bewegung und bin auf diese Weise 70 Jahre alt geworden. Vielleicht wäre ich bei gesünderer Lebensführung heute schon 75 oder 80, aber das läßt sich schwer feststellen.”

Friedrich Torberg

“Rauchen ist eben eine zerstörerische, aneignende Reaktion. Der Tabak ist ein Symbol des ‘angeeigneten’ Seins, da er im Rhythmus meines Atems in der Art ‘fortwährender Zerstörung’ vernichtet wird, da er in mich übergeht und sich seine Verwandlung in mich selbst symbolisch durch die Transformation des konsumierten Festen in Rauch manifestiert. Die Verbindung der beim Rauchen gesehenen Landschaft mit diesem kleinen Brandopfer war so, daß dieses, wie wir gesehen haben, so etwas wie ein Symbol von jener war. Das bedeutet also, daß die Reaktion der zerstörerischen Aneignung des Tabaks symbolisch einer aneignenden Zerstörung der ganzen Welt entsprach.”

Jean-Paul Sartre

Seite: Früher ... ... Nächste