Kategorie: dichter dran

Zur Todesstrafe

"Die Gesellschaft gerät in Selbstverzückung und scheidet eigenmächtig die Bösen aus ihrem Schoße aus, als wäre sie die Tugend in Person. Sie läßt sich einem ehrbaren Mann vergleichen, der seinen mißratenen Sohn mit den Worten tötet: ‚Ich wußte wirklich nicht mehr, was ich mit ihm anfangen sollte.‘ …Die Versicherung, ein Mensch müsse unbedingt aus der Gesellschaft ausgeschieden werden, weil er unbedingt schlecht sei, will auf jeden Fall besagen, daß die Gesellschaft unbedingt gut sei, und das glaubt heute kein vernünftiger Mensch mehr."

"Die Strafe, die züchtigt, ohne zu verhüten, heißt in der Tat Rache. Sie ist beinahe eine mathematische Antwort der Gesellschaft an den Übertreter ihres Grundgesetzes. Diese Antwort ist so alt wie die Menschheit: sie nennt sich Vergeltung. Wer mir Leid zugefügt hat, soll leiden; wer mir ein Auge ausgestochen hat, soll ein Auge verlieren, wer getötet hat, soll sterben. Es handelt sich dabei um ein Gefühl, und zwar um ein ausnehmend heftiges, nicht um einen Grundsatz. Die Vergeltung gehört in den Bereich der Natur und des Triebes, nicht in den des Gesetzes.
Das Gesetz kann seinem Wesen nach nicht den gleichen Regeln gehorchen, wie die Natur. Wenn der Mord in der Natur des Menschen liegt, ist das Gesetz nicht dazu da, diese Natur nachzuahmen. Es ist dazu da, sie zu verbessern. Die Vergeltung aber beschränkt sich darauf, eine bloße Regung der Natur zu bestätigen und ihr Rechtskraft zu verleihen. Wir alle haben diese Regung oft zu unserer Schande empfunden, wir kennen ihre Macht: sie stammt aus den Wäldern der Urzeit."

Albert Camus, Fragen der Zeit

Das böse Wort mit S.

Sie gehören zu den wenigen, die Wort für Wort zitiert werden wollen?

Ich bin doch nicht Lafontaine. Ich formuliere gleich druckreif. Ich will wörtlich zitiert werden, mehr ist es nicht. Nicht, dass ich irgendetwas Tolles sagte, aber das, was ich sage, will ich, verdammte Scheiße. Sonst kann man es auch ohne mich veranstalten. Es hat überhaupt keinen Sinn, diese Printmedien- Interviews. Da läuft so’n Ding, dann machen Sie sich Notizen und dann kommt trotzdem der letzte Schwachsinn raus, etwas, was ich nie gesagt haben kann.

Harry Rowohlt im Interview mit der FR

„Das schwarze Schaf vom Niederrhein“

"Ich steh‘ immer dumm rum und gucke zu. Wenn ich mir, wenn’s regnet, aus einer Zeitung eine Mütze machen will, wird immer eine Schwalbe draus. Es gibt welche, die machen aus einem Kühlschrank ein Kinderbett oder aus einer Türklinke ein Bügeleisen. Bei mir kommt immer eine Schwalbe raus. Ich meine, ich geb’s nicht auf."

H.D. Hüsch

Der großartige Hanns Dieter Hüsch starb in der Nacht zum Dienstag im Alter von 80 Jahren.

contentklau

Inspiriert von meiner Rubrik Aphorismen, hat der Schrottvogel mir das hier zugespielt:

* Besser in der Ecke des Flachdaches wohnen, als mit zänkischer Frau in gemeinsamem Haus. (Sprüche 25,24)

* Was ein sandiger Aufstieg für die Füße des Greises, das ist eine schwatzhafte Frau für einen stillen Mann. (Jesus Sirach 25,20)

* Drei gibt es, die für mich zu wunderbar sind, und vier, die ich nicht begreife: Der Weg des Adlers am Himmel; der Weg der Schlange auf Felsgestein; der Weg des Schiffes auf hoher See; und der Weg des Mannes beim Weibe. (Sprüche 30,18-19)

* Denn drückst du auf die Milch, so kommt Butter heraus; doch drückst du eine Nase, kommt Blut heraus, und drückst du auf den Zorn, so kommt Streit heraus. (Sprüche 30, 33)

* Der Blutegel hat zwei Töchter: "Gib her! Gib her!" (Sprüche 30,15)

* Wohlan denn, iss fröhlich dein Brot und trinke wohlgemut deinen Wein! Denn von jeher gefällt es Gott, wenn du so tust. … Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, all die Tage deines nichtigen Lebens, die Gott dir gegeben unter der Sonne. Denn dies ist dein Anteil am Leben und an deiner Mühe, die du dir unter der Sonne machst. (Prediger 9,6-9)

* Das Ausdenken von Sinnsprüche ist eine mühevolle Arbeit. (Jesus Sirach, 13,26)

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