Kategorie: dichter dran

Dichter dran III

Ostern

Wenn die Schokolade keimt,
Wenn nach langem Druck bei Dichterlingen
„Glockenklingen“ sich auf „Lenzesschwingen“
Endlich reimt,
Und der Osterhase hinten auch schon preßt,
Dann kommt bald das Osterfest.

Und wenn wirklich dann mit Glockenklingen
Ostern naht auf Lenzesschwingen, – – –
Dann mit jenen Dichterlingen
Und mit deren jugendlichen Bräuten
Draußen schwelgen mit berauschten Händen – – –
Ach, das denk ich mir entsetzlich,
Außerdem – – unter Umständen –
Ungesetzlich.

Aber morgens auf dem Frühstückstische
Fünf, sechs, sieben flaumweich gelbe, frische
Eier. Und dann ganz hineingekniet!
Ha! Da spürt man, wie die Frühlingswärme
Durch geheime Gänge und Gedärme
In die Zukunft zieht,
Und wie dankbar wir für solchen Segen
Sein müssen.

Ach, ich könnte alle Hennen küssen,
Die so langgezogene Kugeln legen.

Joachim Ringelnatz

Ambassador of Irish Whisky

Der Titel wurde ihm vom Dachverband der irischen Brennereien verliehen. Und er hält ihn in Ehren. Auf der letztem Lesung, die ich gehört habe, hat er die ihn stets begleitende Malt-Flasche durchs Publikum kreisen lassen. Das ist aber auch wirklich die einzige studienrathafte Geste an ihm. Das Kreisen-lassen, nicht der Malt. „Harry Rowohlt wohnt im Parterre eines weißen Jugendstilhauses im Hamburger Stadtteil Eppendorf. Über dem Eingang steht Salve, auf dem Klingelschild steht Rowohlt, und wenn man läutet, macht niemand auf.“ Dabei hat er doch Geburtstag. Heute. Seinen Sechzigsten. Darum hat ihn z. B. Hilmar Knute besucht: Ein Mann, ein Wort, ein Brummen. Die ZEIT bei gleichem Thema mit kürzerer Überschrift: Eins in die Fresse. Dort lamentiert der große H.R. im Interview: „Handelsblatt, FAZ und Industriekurier loben mich immer über den grünen Klee, aber die eigenen Genossen hauen mich in die Pfanne“ Auf die Gegenfrage, wer denn die Genossen seien antwortet er: „Zum Beispiel Conny Lösch von Szene Hamburg, die mich als ‚Whiskyfass auf Beinen‘ bezeichnet hat. Da hab ich sie angerufen und gesagt: ‚Wenn man anderthalb Handbreit lange schwarze Lederminis trägt und mit den dicken Beinen defekte Netzstrümpfe, dann sollte man bei Beinen anderer Leute ziemlich vorsichtig sein.‘ “ Auch schön:

ZEIT:
Sie haben sich mal heftig für Wolf Biermann eingesetzt. Jetzt klampft er für die CSU in Kreuth. Was ist da schief gelaufen?

Rowohlt:
Ich fand schon vorher, wie er sich als Kommunist gefeiert hat, gelinde übertrieben. Das sind ja zwei verschiedene Biermänner, die wir erlebt haben. Den in der DDR, der war ja wirklich gut. Und diesen Jammerheini, der Shakespeare endlich mal angemessen übersetzt und Stimmen gehört haben will, dass einzelne Sonette zu ihm gesagt hätten: Sing mich, sing mich! Das Letzte, was mir von ihm gut gefallen hat, liegt auch schon wieder Jahre zurück, das war im Spiegel das Transkript eines Stasi-Tonbandmitschnitts aus seinem Schlafzimmer, welches mit den Worten endet: ‚Beischlafgeräusche, danach Ruhe im Objekt.‘ Woran man auch merkt, dass Biermann Nichtraucher ist.

Dichter dran I

„Es ist wohl so, daß die Triebe im Menschen schlummern, eine dösende Wache. Anonym sind sie. Wenn sie aber ans Licht treten, nehmen sie einen Namen an. Sehr beliebt ist heute: Nationalismus.“

Kurt Tucholsky

Krimi-Preis für Astrid Paprotta

Der Deutsche Krimi-Preis 2005 geht an die bloggende Rheinländerin Astrid Paprotta. Paprotta erhalte die Auszeichnung in der nationalen Bewertung für ihr Buch „Die ungeschminkte Wahrheit“, teilte das Krimi Archiv heute in Bochum mit. Der undotierte Preis gilt als einer der bedeutendsten Krimi-Kritikerpreise im deutschsprachigen Raum. Er wird seit 1985 vom Bochumer Krimi-Archiv und einer Jury verliehen.

Auf Paparottas Do-not-Liste steht: „Moral. Botschaften. Leser platt und plump auf Moral und Botschaften hinweisen. Leser plump und platt darauf hinweisen, dass man hinweist. Autoren und -innen, die ihre Haltung auf jeder Seite – ehm, kommunizieren, statt das Nötige den Figuren zu überlassen. Notorisch Erregten und anderen Berufsbetroffenen mag das gefallen, mir nicht.“ Das hört sich allein schon gut an. Oder, um mit Romy Schneider zu reden: „Sie gefallen mir junger Mann – sie gefallen mir sehr!“ Also los, in die Buchhandlung. Kaufen, kaufen, lesen!
Seite: Früher ... Nächste