Kategorie: dichter dran

Rigorist der Wahrheit – Heine-Preis für Gernhardt

Der Schriftsteller, Lyriker und Karikaturist Robert Gernhardt wurde gestern im Düsseldorfer Rathaus mit dem Heine-Preis 2004 der Landeshauptstadt Düsseldorf ausgezeichnet. Laudator Dr. Michael Maar betonte die Gemeinsamkeiten der Dichter: „Bei beiden ist der Ton von Anfang an anti-pathetisch und ironiegetränkt. Beide haben an allen Töpfen geleckt und sind mit allen Wassern gewaschen. Beide verfügen über eine stupende Vielfalt der Formen, sind Prosaautoren von Rang, Essayisten, Kunstkritiker und politische Wachhunde. Bei beiden ist der Witz unerschöpflich.“ Gernhardt, so der Laudator abschließend, sei „ein Rigorist der Wahrheit und wie Heine ein großer Mann der Auklärung.“

Kleine Erlebnisse großer Männer: Kant

Eines Tages geschah es Kant,
daß er keine Worte fand

Stundenlang hielt er den Mund
und er schwieg nicht ohne Grund.

Ihm fiel absolut nichts ein,
drum ließ er das Sprechen sein.

Erst als man ihn zum Essen rief,
wurd‘ er wieder kreativ,

und sprach die schönen Worte:
„Gibt es hinterher noch Torte?“

Ich sprach

Ich sprach nachts: Es werde Licht!
Aber heller wurd‘ es nicht.

Ich sprach: Wasser werde Wein!
Doch das Wasser ließ das sein.

Ich sprach: Lahmer, Du kannst gehen!
Doch er blieb auf Krücken stehen.

Da ward auch dem Dümmsten klar,
daß ich nicht der Heiland war.

Ich selbst

Selbstaussage
Ich mach mir nichts aus Marschmusik,
ich mach mir nichts aus Schach.
Die Marschmusik macht mir zuviel,
das Schach zu wenig Krach.

Selbstfindung
Ich weiß nicht, was ich bin.
Ich schreibe das gleich hin.
Da hab’n wir den Salat:
Ich bin ein Literat.

Robert Gernhardt

Zwei Linklisten zu Gernhardt: Litlink.it und FU Berlin. Außerdem: Zehn Thesen zum komischen Gedicht in der FAZ – Zur Heiterkeit bereit.

7. Oktober 1894: Todestag von Edgar Allan Poe

„Wenn jeder Autor, der ein Honorar für eine Geschichte erhält, die ihre Entstehung Poe verdankt, den Zehnten für ein Monument des Meisters abgeben müsste, dann ergäbe das eine Pyramide so hoch wie die von Cheops.“ Dies schrieb der Sherlock-Holmes-Schöpfer Sir Arthur Conan Doyle über den Einfluß von Edgar Allen Poe auf die moderne Literatur.

Poe wurde als der Fürst der Finsternis bezeichnet, als Meister des Düsteren, bedeutendster Vertreter der amerikanischen Romantik und als Vater der modernen Kriminalromane.

Für den Schriftsteller kam all diese Anerkennung zu spät. Er führte ein Leben in Armut. Reich war es nur an Schicksalsschlägen. Das tragische Leben des Dichters spiegelt sich in vielen seiner Arbeiten. In ihrem Mittelpunkt stehen oft Menschen am Rande des Abgrunds.

Seit mehr als einem halben Jahrhundert erscheint zu Edgar Allan Poes Geburtstag alljährlich eine verhüllte Gestalt an seinem Grab. Jedes Mal hinterlässt sie an der Ruhestätte drei Rosen und eine Flasche Cognac. Die Rosen sind für seine in jungen Jahren verstorbene Ehefrau und deren Mutter, die die gute Seele im Leben des Dichters war. Der Cognac dürfte wohl nur für ihn bestimmt sein, denn der Alkohol war für Edgar Allan Poe ein ständiger Begleiter.

Prost, E.A.P.!

Links: Werke im Projekt Gutenberg und die schön gestaltete Seite edgarallenpoe.de

Für Krimiautoren in spe

„Alles, was man zu einem guten Krimi braucht, ist ein guter Anfang und ein Telefonbuch, damit die Namen stimmen.“ (Georges Simenon) Und der ewige Raymond Chandler ergänzt: „Im Zweifel: Lass‘ zwei Kerle mit Pistolen durch die Tür hereinkommen.“

Bzw.: Für Krimiautorinnen, Bettina!

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