Kategorie: dichter dran

Der November

Ach, dieser Monat trägt den Trauerflor …
Der Sturm ritt johlend durch das Land der Farben.
Die Wälder weinten. Und die Farben starben.
Nun sind die Tage grau wie nie zuvor.
Und der November trägt den Trauerflor.

Der Friedhof öffnete sein dunkles Tor.
Die letzten Kränze werden feilgeboten.
Die Lebenden besuchen ihre Toten.
In der Kapelle klagt ein Männerchor.
Und der November trägt den Trauerflor.

Was man besaß, weiß man, wenn man’s verlor.
Der Winter sitzt schon auf den kahlen Zweigen.
Es regnet, Freunde, und der Rest ist Schweigen.
Wer noch nicht starb, dem steht es noch bevor.
Und der November trägt den Trauerflor …

Erich Kästner

via ralkorama

Angst will überleben

„Ich glaube, Menschen, die aufgrund ihrer Angst wählen, wählen in Wahrheit nicht den Trost, sondern sie wählen ein Szenario, in dem ihre Angst bestehen bleiben darf. Sie haben ja bereits viel in sie investiert. Angst will überleben, um jeden Preis.“

Clemens Setz – Angst will überleben

Sensucht & Phobie

ZEIT: Glauben Sie, dass die Wirtschaftskrise Europa als amerikanischen Sehnsuchtsort entthronen kann?

Woody Allen: Nein. Die Krise zeigt nur die Hohlheit unserer Geldkultur. Wenn man manchen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten zuhört, hat man das Gefühl, in den fünfziger Jahren zu leben. Wir Amerikaner werden Europa immer als Gegenpol zu unserer eigenen Gesellschaft brauchen. Und je frustrierter und unglücklicher die Amerikaner in den USA sind, desto eher werden sie nach Europa gehen und ihre Träume hineinprojizieren. Sie denken, es wird ihnen dort besser gehen. Aber die Wahrheit ist: Sie sind hie wie dort unglücklich, denn ihr Problem sind sie selbst.

ZEIT: Geht es Ihnen genauso?

Woody Allen: Nein, denn ich erwarte gar nicht, dass ich hier glücklicher bin als dort. Ich finde es sehr, sehr praktisch, überall die gleichen Ängste und Phobien zu haben.

Quelle: ZEIT

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