Kategorie: dichter dran

…nur eine grenzenlose Möglichkeit

“Die natürlichste Neigung des Menschen besteht darin, sich und zugleich alle anderen zugrunde zu richten. Wie ungeheuer muss man sich anstrengen, um nur normal zu sein! Und um wieviel mehr noch muss sich jemand anstrengen, der sich selbst und den Geist beherrschen will. Der Mensch ist nichts an sich. Er ist nur eine grenzenlose Möglichkeit. Aber er ist für diese Möglichkeit unbegrenzt verantwortlich. (…) An jedem von uns ist es, in sich die höchste Möglichkeit des Menschen, sein äußerstes Vermögen, auszuschöpfen.“

Albert Camus – *7. November 1913

Tranquillistisches Herumwursteln

„Wir kennen die Antwort von Angela Merkel – tranquillistisches Herumwursteln. Ihrer öffentlichen Person scheint jeder normative Kern zu fehlen. Seit dem Ausbruch der Griechenlandkrise im Mai 2010 und der dann doch verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ordnet sie jeden ihrer überlegten Schritte dem Opportunismus der Machterhaltung unter. Die clevere Kanzlerin laviert sich seitdem mit klarem Verstand, aber ohne erkennbare Grundsätze durch und entzieht der Bundestagswahl zum zweiten Mal jedes kontroverse Thema, ganz zu schweigen von der sorgfältig abgeschotteten Europapolitik. Sie kann die Agenda bestimmen, denn die Opposition müsste, wenn sie mit dem affektiv besetzten Europathema vorpreschte, befürchten, mit der Keule der „Schuldenunion“ erschlagen zu werden. Und zwar von den Leuten, die nur das Gleiche sagen könnten, wenn sie überhaupt etwas sagen würden.“

Jürgen Habermas – Ein Fall von Elitenversagen

Philip Roth zum Achtzigsten

ZEIT: Der Roman spielt in den Truman- und Eisenhower-Jahren. Ich bin 1959 in Amerika zur Schule gegangen. Die unerfüllten Träume der Jungs an der Highschool kreisten um Triumphe im Sport, um Cheerleader und einen Blowjob im Chevy.

Roth: Nein, der Blowjob kam viel später, nach Kennedys Ermordung.

Zum Geburtstag die FAZ – Philip Roth zum Achtzigsten: Das Ringen ist vorüber

dichter dran LIII

„Und außerdem kommt jetzt der November. Früher mochte ich die dunklen Monate, es war ein romantisches Gefühl, deprimiert zu sein. Aber je älter ich werde, umso mehr stört mich die ganze Jahreszeit. Ich glaube, es ist weniger die Kälte, als das fehlende Licht. Zu viel Nebel, zu wenig Sonne. Und dann noch die Kälte dazu. Und die Nässe. Und die Dunkelheit. Und dass die Sonne nie scheint. Und dazu kommt noch, dass es nie warm ist. Und dann noch, dass es so spät hell wird. Und so früh dunkel.“

Wolf Haas – Verteidigung der Missionarstellung

dichter dran LII

„Die Idee der Menschheit, die Idee einer vollkommenen Republik, eines glückseligen Lebens u. dgl. m. fehlt den meisten Menschen. – Viele Menschen haben keine Idee von dem, was sie wollen, daher verfahren sie nach Instinkt und Autorität.“

Kant: Logik

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