Kategorie: dichter dran

dichter dran XXXXXII

„Die wahre Großzügigkeit der Zukunft gegenüber besteht darin, in der Gegenwart alles zu geben.“

Albert Camus – L’homme révolté

Gerührt, von meinem Lieblings- und Examensprof. zu hören den Abend mit Camus verbracht…

Gebet

Lieber Gott, nimm es hin,
daß ich was Besond’res bin.
Und gib ruhig einmal zu,
daß ich klüger bin als du.
Preise künftig meinen Namen,
denn sonst setzt es etwas. Amen.

Robert Gernhard

Und wo ich gerade mal wieder im Gernhard-Fieber bin, noch ein Klassiker:

Ich sprach

Ich sprach nachts: Es werde Licht!
Aber heller wurd‘ es nicht.
Ich sprach: Wasser werde Wein!
Doch das Wasser ließ das sein.

Ich sprach: Lahmer, Du kannst gehen!
Doch er blieb auf Krücken stehen.

Da ward auch dem Dümmsten klar,
daß ich nicht der Heiland war.

Just left the building: Schlingensief

„Schlingensiefs Erfolg beruht offenbar nicht bloß auf einem besonders hoch entwickelten Ulk-Bewußtsein, wie die meisten Kommentatoren annehmen, sondern auch auf dem glatten Gegenteil. Das in Zynismus und Ironie wahrlich durchtrainierte Volksbühnen-Publikum demonstriert da seine Sehnsucht nach ganz unrionischem Engagement. In der ökonomisch, kulturell und semantisch erstarrten Gesellschaft scheint das der vorerst letzte Stand der Utopie zu sein: wenn es kein Ziel mehr gibt, das eine Bewegung hervorbringen kann, dann muß die Bewegung eben mit der Zeit ein Ziel produzieren.“ [zitiert nach Irene Albers]

… gemeint ist die Talk2000-Sendung mit Harald Schmidt.

Christoph Schlingensief, in seinem letzten Blogpost am 7. August:

„Die Bilder verschwinden automatisch und übermalen sich so oder so! – ‚Erinnern heißt: vergessen!‘ (Da können wir ruhig unbedingt auch mal schlafen!)“

Zynismus

Die Presseschau zum Tode Schlinegnsiefs: Christoph hatte mindestens 11 Dimensionen

dichter dran XXXXX

„Die beste Methode, das Leben angenehm zu verbringen, ist, guten Kaffee zu trinken. Und wenn man keinen haben kann, so soll man versuchen, so heiter und gelassen zu sein, als hätte man guten Kaffee getrunken.“

Jonathan Swift

Making of Elchkritik

Die „ä“-sten Kritiker – der „ä“-Laut drückt immer noch am stärksten die kritische Intention aus: Ekel, Hohn und Mordlust.
Die „ä“-sten Kritiker …

Die länglichsten Kritiker der Elche
waren früher selber welche?

Zu lang.
Die längsten … noch länger;
die wählerischsten Kritiker … zu ausgesucht;
die geblähtesten … zu gebläht;
die lächerlichsten … nit komisch!
Die wesentlichsten Kritiker der Elche – besser!
Die kränklichsten … Nä!
Die erbärmlichsten? Erbarmen. Stärker!
Die … die … die Krässten? Krähsten?
Dä gräßten Krätäkär där Älche?
Das ist Musik!
tä tä tä tä tä tä tä tä tä
tä tä tä tä tä tä tä tä tä
Täterätätä!
Gegenprobe:
Dü grüßten Krütükür dür Ülche?
Nücht sü güt!
Also, halten wir fest:

Die jämmerlichsten Verehrer der Elche sind nämlich die
Lemminge.

Oder etwa nicht?
So weit, so gut. Und so wär’s auch geblieben, wäre Ebi Brügel nicht in jener Winternacht mitten in den 60er Jahren im VW von Paris nach Hause kutschiert – und dabei ist es passiert: und aus dem Bernstein sprach es:

Die schärfsten Kritiker der Elche
wären gerne selber welche.

Gernhardt zog damals gleich nach und spielte die Molche aus:

Die größten Kritiker der Molche
waren früher eben solche;

aber ich war erster, und außerdem hatten die Molchstrophen so viele „o“. Und Molchkritik – das ist ein Kapitel für sich.

F.W. Bernstein

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