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Was der Ball ist

„Das Fußballfeld, diese Fläche, auf die man sich als Ort ritualisierter Sinnstiftung geeinigt hat, soll unfassbare Größenverhältnisse begreifbar machen. Es ist Größenmaß, Währung und neue Weltsprache zugleich. Wobei der Ort der größten Öffentlichkeit paradoxerweise exakt die Stätte ist, die am wenigsten öffentlich gemeint ist: der hierarchisch strukturierte Privatbesitz der modernen Club-Arena – von Sicherheitskräften bewacht und von Kameras ausgespäht. Die Arenen haben Kathedralen, Rathäuser, Paläste und Museen als kulturelle Identitätsstifter verdrängt. Und sind doch perfiderweise am wenigsten ‚öffentlich‘. “

Lesenswert: Gerhard Matzig – Die Welt ist alles, was der Ball ist.

Adè, Ostgerade

Fußballfans weinten hier vor Glück, brüllten vor Angst, trommelten, pfiffen und sangen. Jahrzehnte lang war das Bökelbergstadion im Zentrum von Mönchengladbach Pilgerstätte der Fußballsfans. Jetzt hat’s sich ausgebebt. Seit gestern stehen die Abrissarbagger vor der ehemaligen Hochburg der Fohlen. Der Libero macht sich deshalb Gedanken über Verlust der Fußballkultur: „Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, das Fußballverbände und -vereine eben genau den ruhigen, merchandisinggeilen Zuschauer wollen und fördern, dies geschieht vor allem durch das Weichspülen; Stehplätze werden minimiert, Stadien überdacht, Vip-Loungen aufgemacht, Preise erhöht. So entfernt sich der Fußball von seinen Wurzeln. All das macht dem wahren Fan Angst und ist Ursache für die Flucht in eine Zeit, als es beim Fußball noch um trinkende, schreiende Männer ging.

Symbol für diese Zeit ist eben der Bökelberg. Seine Faszination liegt in seiner spartanischen Ursprünglichkeit, die Platz für das Wesentliche ließ – den Fußball.“

In der unmittelbaren Nähe zum Grün. Und in der unglaublichen Stimmung, die im neuen Nordpark immer noch nicht angekommen ist. Denn die lautstarke Aufforderung „Ostgradeee!“ aus der Fankurve zum zweistimmigen Kanon zwischen Nordkurve und Ostgerade funktionierte nur hier: Am Bökelberg, wo der Stehplatz noch 9.- Euro gekostet hat und der siebzigjährige Herr zwei Reihen vor mir beim Einlauf der Spieler ins Stadion Pipi in den Augen bekommen, weil auf den Rängen „Die Elf vom Niederhein“ angestimmt wurde. Und weil es hier über Jahre hinweg in der Pause die Lautsprecher-Gewissheit gab: „Ob Norden, Süden, Osten, Westen – Beppos Frauen sind die besten.“

Lesetipp: Die Bökelbergchronik auf der Hennes-Weisweiler-Allee

Vergleich der Woche

„Ein Schweizer Trainer in der Bundesliga ist wie Rheinebene und Matterhorn“.

Die BILD über den neuen Kölner Trainer Hanspeter Latour. Wer den Satz entschlüsselt hat, möge sich bei mir melden. Als Preis winkt eine Ausgabe von Wallraffs „Der Aufmacher“.