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Der Trainer als der größte Feind?

Für den Boulevard ist klar: Das, was der Gladbacher Trainer mit Zauberzwerg Marin macht, ist der direkte Weg in die 2. Liga: „Meyer suggeriert den Fans damit quasi: Je mehr Marin, desto weniger Erfolg“. Da werden Einsatzzeiten diskutiert, jede Auswechselung kommentiert usf. Um so großartiger, wie Hans Meyer in der Sendung Doppelpass mal ein, zwei Dinge klarrückt:

Wontorra: Sie haben ja auch Spieler in ihren Reihen, die den Ball beherrschen. Marko Marin ist so ein Beispiel, der kam gestern ja auch erst sehr spät, aber wir haben trotzdem mal einen Leistungscheck angestrengt.

Schwesinger: Na der Leistungscheck ist da natürlich extrem schwierig, er wurde erst in der 75. Minute eingewechselt, für den Schlusspurt also. Marko Marin, einer der besten Vorbereiter der gesamten Liga, und das war dann schon überraschend, blicken wir auf seine gefährlichste Szene. Legt er sich quasi selber vor. Ecke, dann die Ablage und eine Flanke, die irgendwie zum Torschuss mutiert, das wär’ mit Glück dann der Ausgleich gewesen. Von den Fans wird Marin geliebt, wegen seiner Tempodribblings wird er Zauberzwerg genannt, ob sein Trainer auch sein größter Fan ist, da gibt es ja unterschiedliche Meinungen, ich bin gespannt, was Hans Meyer uns direkt dazu sagt.

Wontorra: Also, Marko Marin. Von den Fans geliebt, von Hans Meyer gerne mal später gebracht. Relativ wenig in der Startformation. (Hans Meyer lacht verschmitzt) Vor allem Auswärts. Mögen Sie den nicht oder warum machen Sie das?

Meyer: Bisher war ich eigentlich der Meinung, ich hab Freunde eingeladen, das wird eine richtig schöne Runde.

Köhler: So lieb sind wir dann doch nicht.

Lattek: Vielleicht kann ich nur ganz kurz was zum Hans sagen. Es gibt keinen… Muss ganz vorsichtig sein hier. Es gibt keinen Trainer, der so blöd ist und einen Mann nicht aufstellt, der nicht die Leistung bringt. Und der Hans ist mit Sicherheit nicht blöd, im Gegenteil. Wenn er die Leistung bringen würde und der Mannschaft weiter helfen würde, dann würdest Du den auch mit Sicherheit von Anfang an spielen lassen, so seh’ ich das jedenfalls (Anmerk.: Hans Meyer lacht verschmitzt).

Meyer: Darf ich euch mal ‘ne Frage stellen? Das ist nur so ein kleiner Test. Wie oft hat der Marko, eins unserer größten Talente in Deutschland, wie oft hat er in dieser Saison mit dreißig Spielen, wie oft hat er neunzig Minuten lang gespielt? Neunzig Minuten, also angefangen und aufgehört. Wie oft?

Wontorra: Also vor Ihrer Zeit, die ja auch erst während der Saison begann, weiß ich’s nicht.

Meyer: Und nachher? Also mit mit?

Wontorra: Dreimal?

Meyer: Dreimal. Und was sagst Du, Uli?

Köhler: Auch so ähnlich.

Meyer: Dreimal, zweimal. Was sagst Du?

Holzschuh: Gefühlte fünf bis sechs.

Meyer: Fünfmal, wieviel Du, Udo? Dich frag’ ich nicht.

Lattek: Neenee, ich weiß es.

Herrmann: Ich wär’ ja jetzt blöd, wenn ich drei sagen würde. Sechs bis sieben, oder so.

Meyer: Sechs, sieben, weil Du ahnst…

Lattek: Seit dem 20. Spieltag sitzt er auf der Bank!

Meyer: (zu Thomas Herrmann) … weil wir uns so häufig unterhalten, weißt Du es. Der Marko Marin hat bei mir bisher alle Spiele gemacht. Alle! Außer das Spiel in Karlsruhe, wo er gesperrt war. Übrigens, das will ich nur den Leuten sagen, das war nicht meine Schuld. Das war seine fünfte Gelbe Karte. Sonst hat der junge Mann, zwanzigjährig, als ich ihn übernommen habe war er neunzehn Jahre alt, in der 1. Bundesliga, in einer ganz ganz komplizierten Mannschaft, alle Spiele gemacht. Und davon fünfzehn neunzig Minuten. Muss man eigentlich den Marko aber richtig gratulieren, dass er als Zwanzigjähriger, zwar nicht das Supertalent wie Messi, und nicht das Supertalent wie Beckenbauer früher, oder Johan Cruijff, sondern als hochtalentierter junger Mann, der noch ‘ne Menge zu lernen hat, macht in seiner ersten Bundesliga-Saison alle Spiele, und spielt fünfmal bei Luhukay und Christian Ziege neunzig Minuten und zehnmal bei mir neunzig Minuten. Fünfzehnmal neunzig Minuten. Aber daran, dass Ihr glaubt, es war deutlich weniger, kriegt Ihr mal mit, was für Mist, Eure Leute von der Print mal bringen.

Wontorra: Also viel wichtiger als das ist ja für mich die Erkenntnis, dass Sie den Fans das jetzt mal erklärt haben.

via sportmedienblog.de

Yippiejajeah: Der Hans macht’s

Mehr als 100 Spieler-Transfers, drei Sportdirektoren, sieben Trainer & ein Abstieg aus der Bundesliga (inkl. Wiederaufstieg) sind seit dem Abgang von Coach Hans Meyer im März 2003 vergangen. Ab Montag trainiert er die Gladbacher Fohlen wieder. Darauf ein: Yippiejajeah!

Zur Feier des Tages:

“In jedem Kader gibt es fünf richtig blöde Spieler. Von denen würde einer auf jeden Fall unter der Brücke landen, wenn er nicht Fußball spielen würde.”

Hans Meyer (siehe auch SZ – Sätze eines Feingeistes)

Und noch einmal der Auszug aus dem Tagesspiegel-Interview – aus 2005 als ich ihn bereits vermisst habe:

Was war Ihre erste Erfahrung mit “Bild”?

Bei meiner Vorstellung in Gladbach hat mir der Journalist von “Bild” die Frage gestellt: Herr Meyer, wieso haben Sie hier zugesagt? Ich habe ihm die Gründe genannt und nebenbei erwähnt: Ihr wisst ja, wo ich herkomme, aus dem Osten, und Kommunisten waren immer arm. Fast alle haben gelacht. Am nächsten Tag stand in “Bild” “Meyer: Ich bin Kommunist”. Das ist lustig, aber wenn du wie ich in Bad Hersfeld mitten unter CDU-Wählern wohnst, ist es schwierig, sich zum Kommunismus zu bekennen.

Hat sich Ihr Verhältnis zu “Bild” verändert, als Sie zu Hertha BSC gekommen sind?

Der Berliner Redaktionsleiter hat zu mir gesagt: Herr Meyer, was in Gladbach war, vergessen wir einfach. Einen Tag später wurde ich bei der Pressekonferenz gefragt, ob es denn richtig sei, die Spieler während der Mittagspause nicht mehr nach Hause zu lassen. Ich habe dann vorgerechnet, dass gerade eine halbe Stunde bleibt, wenn die Spieler zwischen zwei Einheiten nach Hause fahren. Vielleicht, so habe ich in der mir eigenen Art gesagt, genügen die Spieler in dieser Zeit noch ihrer ehelichen Pflicht. Von den zwölf anwesenden Journalisten haben zehn gelacht. In “Bild” hat der Redaktionsleiter dann geschrieben: “Meyer empfiehlt Sex in der Mittagspause.” Empfiehlt! Das ist doch hirnrissig. Wie will man mit Leuten von diesem Blatt ernsthaft reden? Ich habe da meine Probleme.

Welche Folgen hat diese Berichterstattung für die Wahrnehmung von Fußball?

Sie führt dazu, dass die Leute fußballblöd werden. Das Fachliche spielt überhaupt keine Rolle. Genauso wenig wie das Normale. Sieger werden zu Titanen gemacht, Verlierer zu Versagern, die angeblich nicht kämpfen und nicht wollen. Neulich haben so genannte Fans Vaclav Sverkos von Borussia Mönchengladbach mit Bier begossen und bespuckt. Von da bis zur brutalen Gewalt ist es nur noch ein kleines Stückchen.”

Ebenfalls: FAZ – Heiligenschein, nein danke!